Übernatürliche Hunde: Totenbegleiter, Wächter, Jäger

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Ein Hund schaut auf den Vollmond

Halloween rückt näher – Grund für uns, einmal einen Blick auf übernatürliche Hunde zu werfen! Heute schauen wir allgemein auf übernatürliche Hunde, insbesondere jene, die mit alten Göttern in Verbindung stehen.

Dann drehen wir langsam den Gruselfaktor hoch: Am Mittwoch geht es um Geisterhunde und Freitag lassen wir die Dämonenhunde aus der Hölle. Allerdings wirst du schon heute sehen, dass eine klare Abgrenzung nicht ganz einfach ist. Denn Hunde hatten schon immer Aufgaben in der Welt des Übernatürlichen – gute wie böse.

Hunde als Totenbegleiter

Den Tod nehmen wir meist als etwas Dunkles, Düsteres wahr. Das gilt aber nur, soweit es diese Welt betrifft: Danach wartet eine andere Welt, das Paradies, die Elysischen Felder der Unterwelt oder eine andere der vielen Nachwelten. In vielen Mythen begibt sich der Mensch nicht allein auf den Weg ins Jenseits, sondern wird von Hunden begleitet.

Einer dieser Hunde aus dem deutsch-holländischen Umfeld ist der Hund der Göttin Nehalennia. Sie galt als Göttin der Schifffahrt und Unterwelt und wurde häufig mit einem Hund oder Wolf dargestellt. Aber auch Managarm war in der germanischen Mythologie ein Totenbegleiter oder Psychopomp. Heute kennt man ihn eher als Fenrir oder Fenris: der Wolf, der beim Weltuntergang eine entscheidende Rolle spielt. Bei Managarm zeigt sich schon das sehr zwiespältige Verhältnis zwischen mystischem Hund und Mensch: Er brachte die Toten nach Valhalla – indem er sie verspeiste. So wundert es nicht allzu sehr, dass in nachgermanischen Zeiten seine dämonischen Züge weiter betont wurden.

Auch die Azteken kannten einen Hund als Seelenbegleiter: Xolotl führte Verstorbene nicht nur in die Unterwelt, sondern sein Atem konnte toten Knochen auch neues Leben einhauchen. Noch heute gibt es die Hunderasse Xoloitzcuintle. Eben diese Rasse soll es sein, von der die Toten in der Unterwelt begleitet werden.

Der Hund als mystischer Wächter

Hunde sind jedoch nicht nur Begleiter, sondern auch Wächter. Berühmtester Wachhund ist vielleicht Kerberos oder Cerbereus, der Hund der vor der Tür der Unterwelt liegt und einst von Herakles in unsere Welt gebracht wurde. Meist wird er heute als dreiköpfiger Höllenhund dargestellt und bisweilen Dämon der Grube genannt. Dabei war Kerberos im Grunde gar nicht so böse: Wer starb, erhielt Einlass; nur herausgelassen hat er niemandem aus dem Totenreich – und keine Lebenden hinein, wie sich das ordentlich gehört. Ihm ähnlich ist Garm, der Hund der germanischen Göttin Hel, der als erster Hund überhaupt gilt. Auch die Inuit in der Arktis kennen mit dem Hund der Sedna einen Hund, der das Tor zur jenseitigen Welt bewacht.

Anubis: Oft mit dem Kopf eines schwarzen Hundes oder Schakals dargestellt.
Anubis: Oft mit dem Kopf eines schwarzen Hundes oder Schakals dargestellt.

Die alten Ägypter verehrten Anubis als Gott der Totenriten. Meist wird er als liegender schwarzer Hund oder Schakal dargestellt und steht mit der westlichen Wüste in Verbindung. Diese galt sowohl als die Heimat der Toten als auch der Hunde, welche die Verstorbenen in dieses Reich der Toten führten. Auch Anubis selbst übernahm diese Aufgabe. Im späteren Ägypten wurde er zum Richter über die Toten.

Der Islam gilt als generell hundefeindlich – aber auch er hat einen hündischen Wächter-Helden. Al-Rakim bewachte einst eine Höhle, in die sich mehrere gläubige Jünglinge flohen, und wurde mit dem Paradies belohnt.

Nicht immer bewachen übernatürliche Hunde Orte: Manchmal beschützen sie auch Menschen. Im Bergischen Land kennt man die Hermen oder Tives. Mit leuchtenden Augen helfen sie Wanderern, sicher ihren Weg zu finden. Verspottet man sie jedoch, erntet man ihre erbitterte Feindschaft!

Germanische Mythologie: Odins Wilde Jagd

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Hels Hunde Gram und Fenrir erwähnten wir bereits. Aber die germanischen Mythen kennen noch weitere Hunde. In einer Variante wird Fenrir es sein, der den Mond verschlingt. In anderen Versionen kommt diese Rolle dem Wolf Hati zu. Mit seinem Zwillingsbruder Skalli verfolgt er Mond und Sonne, die sie beim Weltenbrand Ragnarök schließlich verschlingen.

Viele Versionen gibt es von der Wilden Jagd. Im germanischen Mythos wird sie von Odin angeführt, der auch viele Hunde mit sich führt. Oft ist es aber auch die Göttin Hel oder Frau Holle, die mit einer Horde wilder Hunde durch den Himmel zieht. Traditionell ist diese Jagd zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag unterwegs. Aber auch zu anderen besonderen Tagen kann man sie hören und sehen.

Erneut ist das Verhältnis sehr zwiespältig: Odin wurde verehrt, aber der Jagd ging man besser aus dem Weg. Auch war es nicht immer der Asengott, der die Jagd führte: Helden wie Dietrich von Bern oder einem Helljäger (Höllenjäger) wurde diese Rolle ebenfalls gegeben. In Schwaben sind es interessanterweise reinweiße Hunde, die den Anführer Berchthold begleiten. In Schweden verbindet man die Wilde Jagd mit Fruchtbarkeit.

Die mystischen Hunde der Kelten

Die Wilde Jagd kennt man auch bei den Kelten. In irischen und walisischen Sagen werden die Hunde als Cŵn Annwn der Unterwelt und dem Gott Arawn zugeschrieben.

In der walisischen Sage Mal y kavas Kulhwch Olwen („Wie Kulhwch Olwen errungen hat“) gelingt es mit einem solchen Hund, den Eber Twrch Trwyth zu jagen. Aber auch andere Hunde mit besonderen Fähigkeiten halfen dabei, den mystischen Eber zu stellen.

Die Kelten kennen auch den Púca, der sich gerne als Hund zeigt und mit unseren Kobolden oder dem Puck vergleichbar ist. Im Grunde ist er recht harmlos, aber boshaft. Er erscheint stets mit schwarzem Fell und besonders häufig zu Samhain – das heißt: zu Halloween, das mancherorts sogar Púca Night, also Púca-Nacht genannt wird. Gelegentlich warnen sie auch vor Unheil.

Hunde in der Griechischen Mythologie

Kerberos bewacht das Tor zur Unterwelt, in der Regel allein. Aber die griechischen Götter stellten Hunde nicht nur als Wächter ab, sondern ließen sich auch von ihnen begleiten. Artemis ist mit Hund und Bär anzutreffen. Bei seinen nächtlichen Eroberungen hatte der Wein-Gott Dionysos ebenfalls häufig einen Hund dabei – ebenso wie die Liebesgöttin Aphrodite. Auch ihrem Mann Ares wird der Hund als Symbol gegeben. Dem Heiler-Gott Asklepius galt der Hund sogar als heilig. Viele weitere Helden und Halbgötter fanden Unterstützung durch ihre Vierbeiner – nicht zuletzt Odysseus, der nur von seinem alten Hund Argos erkannt wurde.

Die Griechen kannten jedoch nicht nur nette Hunde: Die Hexengöttin Hekate führte ihn als Tier und ihre Tochter, das Meeresungeheuer Skylla, hatte einen Körper aus sechs Hundeleibern. Lyssa, die Dämonin des Wahnsinns, war mit einer Hundemeute unterwegs – und die Erinnyen (Rachegöttinnen) rasten kläffend wie irre Hündinnen durch die Straßen um den Schuldigen zu strafen. Dabei galt übrigens Gerechtigkeit zwischen Mensch und Hund: Auch Hunde hatten eine eigene Erinnye. Ob diese dann mit wildem Aus, Pfui, Schäm dich verfolgt wurden? Lamiae, die zu unseren heutigen Vampiren führten, werden ebenfalls als Hund dargestellt.

Schaust du in den Winterhimmel, siehst du dort einen weiteren griechischen Hund: Lailaps, zu deutsch Sturmwind, steht als Großer Hund am Himmel. Er war ein unermüdlicher Jagdhund, der von Zeus verwandelt wurde, als er einer nimmermüden Beute (einem menschenfressenden Fuchs) folgte. Dieser Fuchs wurde zum Kleinen Hund. Übrigens ist der Stern Sirius Bestandteil des Großen Hundes – und Sirius ist der Stern, der in den heißen Hundstagen strahlt.

Mittelalter und Christentum: Dämonisierung des Hundes

Bis hierher hast du schon gesehen: Das Verhältnis zu übernatürlichen Hunden war sowohl in der Antike als auch in vorchristlicher Zeit sehr zwiespältig. Einerseits schätzte man sie als treue Wächter und Begleiter, andererseits belegte man sie mit unerwünschten Eigenschaften und brachte sie mit dem Tod in Verbindung. Deutlich düsterer wurde das Bild des Hundes dann noch im christlichen Mittelalter.

Dante und Vergil bei Cerbereus. Gustave Doré. Illustration der Göttlichen Komödie
Illustration von Gustave Doré: Dante und Vergil begegnen Cerbereus.

Das Bild wandelte sich in Richtung Dämon. Hunde galten als unrein und wurden zum Tier des Teufels. Man denke an des Pudels Kern: Goethes Faust wird vom Teufel Mephistopheles in Gestalt eines schwarzen Pudels begleitet. Viele Sagen von schwarzen Hunden, die besonders häufig an Kreuzwegen, auf Friedhöfen und bei Hünengräbern spuken, entstanden in dieser Zeit. Auch Hexen sollen sich schwarze Hunde gehalten haben – nicht nur Katzen.

Die ehemals ambivalenten Hunde der Antike wurden ebenfalls dämonisiert. So machte Dante in seiner Göttlichen Komödie den Wächter-Hund Kerberos zu einem Bestrafer der in der Hölle Verdammten. Er bewacht nun nicht mehr den Eingang zu Unterwelt, sondern zerkratzt, zerfleischt und verschlingt die Seelen der Verdammten. Dies war die Strafe für die Sünde der Schlemmsucht und maßlosen Gier.

Aber nicht alle positiven Assoziationen verschwanden. Hunde galten als geistersichtig, sie nahmen also Unsichtbares wahr. Ein treuer Hund konnte so vor bösen Geistern warnen, die der Mensch gar nicht sah – oder sie sogar in die Flucht treiben. Unter bestimmten Bedingungen konnte man angeblich den Blick des Hundes selbst nutzen: Schau zur Mitternacht über den Schwanz hinweg und zwischen seinen Ohren hindurch, und auch du siehst Unsichtbares! Nach wie vor wurden Hunde so als Mittler zwischen der wirklichen Welt und der Welt hinter dem Schleier angesehen.

Mit Rupert von Salzburg haben Hunde sogar einen eigenen Schutzheiligen. Und der heilige Christophorus, der das Jesuskind über einen Fluss trug, wird mit einem Hundekopf dargestellt. Das kommt aber möglicherweise von einem Übersetzungsfehler.

Was lässt sich als Gesamtbild sagen? Vielleicht, dass mythische Hunde ein Abbild der Realität sind: treue Wächter, loyale Begleiter und großartige Jäger. Ihr Vorkommen in so vielen Mythen, Legenden und Religionen (und wir haben bei weitem nicht alle aufgezählt) ist zudem ein Beleg für ihre enge Bindung an den Menschen. Auch dann, wenn wir sie bisweilen doch unheimlich finden.

Das gilt besonders für Schwarze Hunde, die in Großbritannien sogar ein Synonym für Geisterhunde sind.

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