Geisterhunde: Schwarzpelziges Unheil

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Geisterhund oder Wolf heult den Mond an

Geisterhunde sind Hunde, die nach ihrem Tod zurückkehren bzw. als Geist auf dieser Welt bleiben. Die Gründe sind so vielfältig wie die anderer Geister: Sie suchen Rache, sind ihrem Herrchen oder Frauchen treu; sie machen auf erlittenes Unrecht aufmerksam oder bestrafen. Irgendeine dieser Aufgaben oder Anliegen hindert sie daran, ihre letzte Ruhe zu finden.

Großbritannien: Land der Geisterhunde

Wo gibt es die meisten Geisterhunde? Im Land der Gespenster: Großbritannien! Nahezu jede Region hat ihren eigenen Geisterhund oder eine eigene Phantommeute, wie die folgende Liste von Geisterhunden allein für England zeigt:

  • Gwyllgi
  • Gytrash
  • Mauthe Doog / Moddey Dhoo
  • Tchicho
  • Lean Dog of Hertfordshire
  • Gurt Dog (Great Dog) of Somerset
  • Padfoot
  • Wishthounds
  • Cwn Annwn
  • Barguist / Barguest / Barghest
  • Shag
  • Trash
  • Striker
  • Strider
  • Skriker
  • Hairy Jack
  • Rudkin
  • Black Shuck
  • Yeth Hound oder Yell Hound

Hinzu kommen noch viele namenlose Geisterhunde: einer im Newgate-Gefängnis, einer auf dem Galley Hill von Bedfordshire und einer in Barchworth Castle. Der Bahnhof Black Dog Halt und der Black Dog Hill sind sogar nach einem örtlichen Geisterhund benannt. Die Schotten steuern zudem die Cù Sith (wörtlich: Feenhund) bei. In Cornwall streifen Devil’s Dandy Dogs (des Teufels liebste Hunde) umher. Ganz sicher ist Großbritannien das Land der Geisterhunde!

Schaut man auf den Kontinent, sind die vierbeinigen Gespenster nämlich viel dünner gesät: In der Normandie kennt man den „Knochenkauer“ (Rongeur d’Os) und über die Felder Flanderns streift Oude Rode Ogen, das Alte Rotauge oder das Biest von Flandern. Im wallonischen Gebiet erzählt man sich auch von chén al tchinne. Das bedeutet „angeketteter Hund“ – und diese Kette reicht bis in die Hölle. In Vorarlberg soll der Klushund umgehen und Krankheit verbreiten.

Auch in Lateinamerika kennt man Geisterhunde: den Perro Negro, den Nahual, Huay Chivo und Huay Pek sowie den Lobizon. Es heißt, sie alle seien entweder der Teufel selbst oder ein verwandelter Hexenmeister.

Ortsgebundenheit

Warum gibt es so viele verschiedene englische Namen für Geisterhunde? Weil diese Hunde sehr ortsgebunden sind. Fast scheint ein gewisser Lokalstolz durchzuscheinen, wie beim eigenen Schlossgespenst, das natürlich zu einem echten castle dazugehört!

Einige der Gespenster sind so etwas wie eine Hunderasse, aber sie treten nur in bestimmten Regionen auf. Die Wishthounds, sollen vor allem im südlicheren Dartmoor auftauchen; in Devon spuken die Yeth Hounds; die Gwyllgi sind hingegen in Wales unterwegs; und in Lancashire gehen die Gytrash um. (Trash, Striker und Shriker werden in der Regel als Varianten gesehen, die in verschiedenen Teilen Lancashires bevorzugt oder vermischt gebraucht werden.).

Andere Hunde wiederum sind Individuen. Der Tchico von der Kanalinsel Guernsey soll der verdammte Geist eines Amtsmanns sein, der einen seiner Knechte zu Unrecht beschuldigte. Bei einigen Hunden ist man sich unsicher: Der Barghest aus Yorkshire wird mal als ein einziger Hund bezeichnet und mal als eine ganze „Rasse“ von Geisterhunden. Der Schwarze Hund von West Peak hat hingegen gar keinen eigenen Namen – taucht jedoch ausschließlich in Meriden auf.

In manchen Orten findest du auch eine Black Dog Lane oder eine ähnliche Ortsbezeichnung. Pass also auf, wenn es eine enge düstere Gasse ist, denn du kannst dir sicher denken, weshalb diese Schwarzhund-Gasse so heißt … Neben alten Gassen finden sich Geisterhunde oft an Kreuzwegen, auf alten Kirchhöfen, an Richtplätzen oder an heidnischen Orten. All dies sind Orte der Übergänge, an denen es von jeher in den Sagen und Legenden an Mystischem und Übernatürlichen nur so wimmelt.

Aussehen: Schwarz und Groß

Bei Menschen kennen wir die Weiße Frau oder die Bleiche Dame als häufige Spukgestalt. Meist werden Gespenster bleich-blass und durchscheinend dargestellt. Bei Hunden ist das anders: die häufigste Farbe von Geisterhunden ist schwarz. In Großbritannien ist black dog sogar gleichbedeutend mit einem Geisterhund.

Andersfarbige Hunde sind die Ausnahme: Die Geistermeute von Cawthorpe soll weiß sein. Die schottischen Cù Sith sind hingegen dunkelgrün – eine traditionelle Farbe für das Übernatürliche in Zusammenhang mit dem Feenvolk.

Meist sind diese Geisterhunde deutlich größer als gewöhnliche Hunde (oft so groß wie ein Kalb) und haben große, glühende Augen. Häufig werden sie mit Gewittern in Verbindung gebracht. Spitze Zähne und raues, struppiges Fell tragen weiter zu ihrem gefährlichen Aussehen bei.

Schwarze Geisterhunde gelten übrigens als generell böswillig, wobei aber nur einige wenige ihre Opfer direkt angreifen – und manche helfen sogar. Womit wir bei einer interessanten Frage sind.

Was machen Geisterhunde?

Ein Gargoyle in Form eines Hundes. An Kirchen sollten sie Dämonen und Böse Geister abwähren.
Ein Gargoyle in Form eines Hundes. An Kirchen sollten sie Dämonen und Böse Geister abwähren.

Was Geisterhunde tun, hängt meist damit zusammen, wer sie waren: Ein geliebter Hund wird zum Schutzgeist; ein Zauberer kehrt als böser Spuk zurück und böse Menschen werden vom Geist eines misshandelten Hundes heimgesucht. Einige Funktionen von Geisterhunden kehren häufig wieder.

Todesboten und schlechtes Omen

Viele Geisterhunde sollen den bevorstehenden Tod desjenigen ankündigen, der sie sieht. Das gilt besonders, wenn der Hund auf einem alten Kirchhof erscheint. Diese Hunde haben sogar einen eigenen Namen: Church Grim, Kirchenspuk. Ist der Hund für den Tod verantwortlich?

Manchmal ja, manchmal nein: Auf der Isle of Man soll ein Wächter von einem Kirchenspuk zu Tode erschreckt worden sein. Die Cù Sith sind ebenfalls Todesboten, die die Seele des Sterbenden bis ins Jenseits tragen. Einigen Erzählungen zufolge bellt ein Cù Sith drei Mal: Bist du beim dritten Bellen nicht in Sicherheit, so stirbst du aus purer Angst. Black Shuck oder der Klushund verbreiten mit ihrem Atem Krankheit und Siechtum – oder schlagen gleich selbst zu.

Ein kopfloser Hund bei einer Brücke in Yorkshire soll hingegen lediglich bellen – aber jeder, der ihn sieht, ist innerhalb eines Jahres gestorben.

Schutzengel

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Manche Hunde tauchen auf, begleiten und beschützen Wanderer und verschwinden dann. Selten sind sie zu finden, wenn man nach ihnen sucht, man kann sie also leider nicht einfach herbeirufen. Oft stellt sich im Nachhinein heraus, dass Räuber lauerten und sich wegen des riesigen Hundes nicht trauten oder dass anderes Ungemach drohte. Manchmal ist es auch der eigene Hund, der über den Tod hinaus seinen Menschen beschützt.

Der Gurt Dog („großer Hund“) aus Somerst ist ein solcher freundlicher Hund. Er bewachte und führte einsame Wanderer. Mütter erlaubten ihren Kindern das Spielen im Freien: Der Gurt Dog würde sicher auf sie achten! Auch Hairy Jack aus Lincolnshire gilt als netter Hund, der Menschen vor Bösem schützt.

Interessant: Der Church Grim gehört sowohl zu den Todesomen als auch zu den Schutzgeistern, denn diese Geister schützten Kirche und Friedhof vor bösen Geistern. Frühe Christen in Skandinavien begruben auf einem neuen Friedhof einen lebenden schwarzen Hund, damit er diese Aufgabe übernehmen konnte. Es wurden früher auch schwarze Katzen unter der Schwelle neugebauter Häuser zum Schutz vergaben … Solche Rituale sind definitiv ein Grund zum Spuken!

Heimsuchung als Strafe / Fluch

Aber so wie Hundegeister uns beschützen, können sie auch strafen: Im Newgate-Gefängnis in London verspeisten verhungernde Insassen einen Gelehrten, der der Hexerei beschuldigt war. Wenig später erschien ein schwarzer Hund, der sie so sehr ängstigte, dass sie ihre Wächter töteten und flohen. Doch dem Hund entkamen sie nicht.

Verlorene Seele?

Bemerkenswert ist der Schwarze Hund von West Peak in mancherlei Hinsicht: Er ist klein und traurig und scheint die Gesellschaft von Menschen zu genießen. Ihn einmal zu sehen, soll sogar Glück bringen – das zweite Mal hingegen Pech, das dritte Mal den Tod. Ist dies ein schlecht behandelter Hund, der zugleich zu einem gütigen Menschen will und Rache sucht?

Verdammte Seele

Von einigen Hunden heißt es, sie seien die Seelen von Menschen, die in dieser Form umherwandern. Häufig tauchen diese Hunde in der Nähe von Galgen auf. Der Tchico von der Insel Guernsey war ein Amtsmann, der einen Knecht zu Unrecht beschuldigte. Als Lean Dog geht in Hertfordshire der Geist eines Schornsteinfegers um, der wegen Mord hingerichtet wurde.

In Dartmoor sollen schwarze Geisterhunde um das Grab von Junker Cabell erschienen sein – einem Jäger, der seine Seele an den Teufel verkaufte und 1677 starb. Als Geisterjäger soll er jetzt ruhelos die Meute führen – im Stil der Wilden Jagd.

„Echte“ Geisterhunde: Die Realtität

“Alles Quatsch!”, sagen nüchterne Naturen – Geister gibt es gar nicht! (Wir wissen das natürlich besser!). Oft berichteten Menschen, dass sie Geisterhunde inmitten von Feuer erschienen. Mitunter könnte es so ein Blitzschlag gewesen sein. Die Sinne spielen dem Beobachter einen Streich – und wenn er später nachschaut, sieht er tatsächlich Brand- und Rußspuren. Auch andere Wetterphänomene und das Unterbewusstsein werden häufig als Begründung angeführt.

In vielen Fällen wurden Geschichten von Geisterhunden auch bewusst gestreut: Schmuggler hätten auf Jersey das Gerücht um den Tchian d’Bouôlé (dem Schwarzen Hund von Bouley) ausgestreut, um ihre Aktionen zu verbergen. Sein Erscheinen sollte schwere Stürme ankündigen. Äußerst clever: So blieben die Menschen daheim und die Schmuggler hatten die Pier für sich. Noch heute heißt ein Pub in Bouley The Black Dog.

Der bekannteste Geisterhund, der eigentlich gar keiner war, dürfte in Arthur Conan Doyles Geschichte um Sherlock Holmes zu finden sein: Der Hund der Baskervilles. Als Strafe dafür, dass Hugo Baskerville betrunken ein Mädchen zu Tode hetzte, suchte angeblich ein monströser Hund die Moore um den Familiensitz heim. Nachdem er in einem Mordfall ermittelt findet Holmes den Hund: eine Kreuzung aus Bluthund und Dogge, bissig, halb verhungert und mit Phosphor zum Leuchten gebracht, um die Baskervilles zu erschrecken.

Einige Geisterhund-Geschichten

Echter Hund oder nicht? Das spielt meist keine Rolle, wenn man sich gruseln will, denn das Rätsel wird in der Regel erst am Schluss gelöst. Einige Geschichten um Geisterhunde haben wir hier für dich ausgesucht. Leider sind die Sagen meist recht kurz (und wie die meisten Geisterhunde englisch) – aber die kannst du sicher aufmotzen, wenn du sie zu Halloween deinen Kindern und Freunden erzählst … in dunkler Nacht … vor einem glühenden Kürbis … und waren da nicht glühende Hundeaugen …?

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