Studie: Hundenamen werden vermenschlicht

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Studie: Hundenamen werden vermenschlicht

Der Hund ist als Haustier ein nicht mehr wegzudenkender Teil unserer Gesellschaft. Doch unter den Haustieren des Menschen kommt ihm eine Sonderstellung zu. Zum einen gilt der Hund als das ältestes Haustier des Menschen. Zum anderen verbindet Hund und Mensch eine räumliche Dichte und emotional enge Beziehung wie sie kein zweites Mal zwischen Tier und Mensch auftaucht. Die besondere Beziehung hat auch Auswirkungen auf die Namensgebung der Hunde: Immer häufiger erhalten sie menschliche Namen.

Hund und Mensch: Eine uralte Beziehung

Besitzt du selber einen Hund, wirst du sicher zustimmen, dass dein Hund nicht nur ein Haustier ist. Er ist auch erst recht kein Nutztier! Vielmehr ist dein Hund ein Familienmitglied. Laut einer Studie nach Dotsen/ Hyatt nehmen Besitzer ihren Hund nicht als Tier wahr, sondern als Mensch. Wenn du zu denjenigen gehörst, die mit ihrem Hund ganz selbstverständlich wie mit einem Menschen kommunizieren, dann bist du damit nicht alleine. Oftmals ist der Hund auch eine Art Kindesersatz. Diese enge Beziehung kommt nicht von ungefähr. Sie geht auf etwa 12.000 Jahre zurück.

Seit mehr als 15000 Jahren halten Menschen Hunde als Haustier. Als primärer Auslöser für die Hundehaltung gilt dabei aber nicht der Hund als Schlittennutztier, Hütehund, Wachhund oder Jagdhilfe. Diese Funktionen und Nutzweisen haben sich erst nach und nach herausgebildet. Der erste Auslöser war vielmehr die einzigartige soziale Bindung zwischen Mensch und zahmen Wölfen. Bis heute befriedigen Hunde die emotionalen Bedürfnisse des Menschen nach Gesellschaft, Freundschaft, Zuneigung und bedingungsloser Liebe.

Das Benennen von Hunden

Heute geben die Besitzer den meisten Haus- und Nutztieren Namen. Andere Tiere sind lediglich „namensfähig“; der Hund ist hingegen nahezu namensverpflichtet. Überleg einmal: Kennst du einen Hund ohne Namen?

Aber was glaubst du, welche Hundenamen besonders häufig auftreten? Klassische Hundenamen wie Bello, Hasso und Rex? Diese waren tatsächlich laut einer Studie des Markt- und Medienforschungsinstituts House of Research im Jahre 2004 ganz weit vorne. Genauso wie der Spitzenreiter der Rüdenamen: Rocky.

Wandel und Struktur von Hundenamen

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In einer weiteren Studie, durchgeführt von Eva Schaab, wurden im Jahre 2011 etwa 1000 Hundebesitzer telefonisch nach den Namen ihrer Schützlinge befragt. Interessant: Bello und Hasso kommen überhaupt nicht vor. Rex wurde immerhin dreimal genannt. Zu den häufigsten Namen für Rüden zählen Ben und Sam mit deren Koseformen Benny und Sammy, gefolgt von Gina bei den Hündinnen. Charly, Merlin und Max findet man anschließend wieder bei den männlichen Hunden. Besonders auffällig ist aber die Vermenschlichung der Hundenamen: Bezogen auf die Gesamtmasse hat sich deren Anzahl im Vergleich zu einer früheren Studie (1907) verdreifacht und macht nun einen Wert von knapp 60 % aus. Dabei entstammen vor allem die weiblichen Namen der Top 200- Liste der menschlichen Namen.

Viele wählen den Namen ihres Hundes nach ähnlichen Kriterien wie den ihres Kindes. Auf der einen Seite handelt es sich um klassische Rufnamen, die nicht besonders individuell sind. Hierzu zählen beispielsweise Sina und Leo. Auf der anderen Seite möchte Frauchen oftmals, dass ihre Sarah-Maggie einen besonders exklusiven Namen trägt. Auch vor eine außergewöhnliche Schreibweise schreckt Herrchen heute nicht zurück, so findet man die unterschiedlichsten Varianten für den Namen Jaimee.

Bei der Wahl von alten bzw. neuen Namen findet man Ähnlichkeiten zwischen Benennung von Hund und Kind: Neben englischsprachigen Modenamen wie Amy oder Gina besitzen Hunde auch häufig altmodische Namen wie Elfriede, Alfred oder Oskar.

Die menschlichen Namen für Hunde zählen heutzutage eindeutig zu der Mehrheit. Daneben existieren aber auch Benennungen nach einer Gottheit, Helden (Apollo; Merlin) oder nach alkoholischen Getränken (Asti; Brandy; Tequila).

Einige Hundebesitzer geben sogar an, ihren Hund mit einem Namen benannt zu haben, der ursprünglich für ihr Kind gedacht war. Bestimmte Namen verwarfen sie oftmals, weil ein anderer bekannter Hund bereits so hieß.

Mittlerweile trägt jeder zweite Hund einen menschlichen Namen, der möglichst einzigartig und individuell sein sollte. Wie heißt dein Hund?

 

Quelle:
Schaab, Eva (2012): „Von Bello zu Paul: Zum Wandel und zur Struktur von Hunderufnamen“, Beiträge zur Namensforschung 47 (2012, Nr. 2), S 131-161.

Erwähnt:
Dotson, Michael und Eva Hyatt (2008), “Understanding dog-human companionship”, Journal of Business Research 61, S. 457-466.
House of Research (2004): Traditionelle Hundenamen vom Aussterben bedroht, Pressemitteilung vom 17.05.2004.
Schaab, Eva (2011): Von Bello zu Paul. Zur Struktur und Entwicklung von Hundenamen, Magisterarbeit, Universität Mainz.

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