Hunde würden länger leben, wenn … Schwarzbuch Tierarzt (Jutta Ziegler)

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Ziegler: Schwarzbuch Tierarzt Cover

 

+ Gibt zu denken
+ Trotz Fachbezeichnungen verständlich
+ Sehr emotional und konkret

ISBN: 978-3-86882-234-2
mvg Verlag
Preis: 13,99 Euro
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Jutta Ziegler stellt in ihrem Schwarzbuch Tierarzt die Probleme der heutigen Haustiere dar. Das ist nicht nur zu wenig Bewegung und nicht artgerechte Haltung. Das sind vor allem auch Fehldiagnosen und die Verbandelung von Tierärzten mit der Futtermittelindustrie. Eine Verbindung, die nicht auf die Gesundheit der Tiere aus ist, sondern auf den eignen Profit. Dies stellt sie sehr plakativ dar – aber das erwartet niemand bei einem Schwarzbuch.

 

(Keine) Lösungen aus der Praxis

Jutta Zieglers Buch liest sich nicht wie ein Sachbuch, sondern wie eine Sammlung von Kurzgeschichten. Der Grund: Jedes ihrer neun Fallbeispiele beginnt sie mit der Schilderung des Lebens eines Tieres (neben Hunden auch Katzen). Oder vielmehr des Leidens eines Tieres. Man liest von einem Problem nach dem anderen, von Gängen zum Tierarzt, Kuren, alternativem Futter, kostspieligen Behandlungen – aber man liest nichts von Lösungen. Das sieht man auch in den Skizzen von André Seidel, die den Kapiteln voran stehen: Glücklich sind die Tiere nie; prominent im Bild sind Pillen oder Spezialfuttermittel.

Manchmal findet ein Tier noch ein Happy End bei einem anderen Tierarzt. Das Lied ist aber stets das gleiche: Es wurde eine Lösung empfohlen, die entweder nichts bringt oder direkt andere Probleme verursachte.

 

Monetik statt Ethik: Kritik an Industrie und Ärzten

Die Hauptaussage: Manchen Tierärzten geht es nur um den eigenen Gewinn. Jutta Ziegler kreidet an, dass das Studium der Veterinärmediziner keinen Raum lässt für die sinnvolle Auseinandersetzung mit der natürlichen und artgerechten Ernährung von Haustieren. Stattdessen tritt die Industrie schon in den Hörsaal ein. Industrielle Lösungen werden nicht nur Hundebesitzern empfohlen; auch Tiermediziner bekommen schon während der Ausbildung diese „perfekten“ Lösungen an die Hand – und vertreiben sie dann in ihrer Praxis – auch für den eigenen Profit.

Genau diese Lebensmittel sind nach Jutta Ziegler (selbst promovierte Tierärztin) aber für viele Probleme verantwortlich. Nahezu alle Futtermittel großer Hersteller sind minderwertig. Oft enthalten sie Getreide, das Hunde nicht sinnvoll verwerten. Spezialfuttermittel sind selten besser und begünstigen oft andere Probleme.

Statt die Ursachen zu erforschen, kurieren Tiermediziner einzelne Symptome. Gnadenloser Zynismus scheint bei einigen von ihnen durch: Ein Tierarzt gibt zu, dass er seine Patienten (eher: Kunden) nicht gesund macht. So sichere er sich doch künftiges Einkommen! Ein Auszug aus einer Zeitschrift hingegen rät den Tiermedizinern, ihre Vorräte eines ineffektiven Diätfutters aufzubrauchen, da bald ein tolles neues Mittel die Marktzulassung erhält. Sehr im Sinne des Patienten, keine Frage …

 

Plakative Fälle

Natürlich sucht Jutta Ziegler sich für ihr Buch plakative Fälle aus. Fälle, in denen wirklich etwas schief läuft, weil es dem Arzt gleichgültig ist oder er es sogar erzwingt. Das ist für ein Schwarzbuch normal: Es ist eine Sammlung von Negativbeispielen und soll die Missstände herausstellen. Dazu gehören Fälle, in denen notwendige Operationen nicht durchgeführt werden, weil Probleme auch mal von selbst aufhören. Dazu gehört, wenn ein Mediziner mit Jahrzehnten Erfahrung einen klaren Bruch nicht erkennt. Dazu gehört, wenn stets nur das Industriefutter verordnet wird, dessen Name zu den Symptomen passt.

Nicht dazu gehört aber, wenn einem Menschen einfach ein Fehler unterläuft. So bedauerlich das ist: Es passiert. Zwischendrin erwähnt Jutta Ziegler auch die guten Tierärzte, die in einigen Fällen das Tier nach einer Odyssee heilen konnten. Dennoch ist das Bild düster: Der Platz, den diese guten Ärzte bekommen, ist gering.

 

Nachdenken: Was tue ich meinem Hund an?

Die Extremfälle sollen den Leser zum Nachdenken anregen: Sind die Fälle wirklich die Ausnahme? Habe ich, im Kleinen, nicht genau das gleiche getan, was die Hunde aus diesem Buch in Krankheit und Tod schickte? Manchmal musste ich doch schlucken: Mir wurde doch immer gesagt, dieses Futter sei besonders gesund und ideal für meinen Vierbeiner! Kann ich überhaupt irgendeiner Aussage vertrauen?

Das ist provokativ, zweifellos. Jutta Ziegler will auch nicht, dass Tierärzte gemieden werden. Stattdessen soll man kritisch hinterfragen. In ihrem zehnten und abschließenden Kapitel geht sie daher darauf ein, wie ich meinen Hund vor unnötigen Behandlungen schütze.

Augen auf! Wird für den eigenen Profit ein teures Medikament verschrieben, obwohl es das gleiche für einen Bruchteil gibt? Geht es dem Tierarzt sofort darum, alle „notwendigen“ Impfungen und Kuren anzuwenden? Kommt er sofort mit einer (teuren und profitablen) chemischen Lösung für das Symptom daher? Oder fragt der Tierarzt genau nach, erkundigt sich nach der Ernährung, vergangenen Therapien oder dem Zeitpunkt, zu dem sich das Verhalten meines Hundes änderte? Welchem Veterinär es wirklich um den Hund geht, dürfte offensichtlich sein. Dennoch: Auch ich muss mich bewusst zwingen, diese Zeichen wahrzunehmen. Gerade dann, wenn mein Hund leidet und es ihm doch bitte nur schnell bessergehen soll!

 

Fazit: Jutta Zieglers Schwarzbuch Tierarzt wird nicht ohne Grund seit 2011 stetig neu aufgelegt. Im Gegensatz zu anderen Gesundheitsbüchern zeigt sie nicht die korrekten Sofortmaßnahmen oder Therapien, sondern zeigt, wie systematisch die falschen „Therapien“ eingesetzt werden. Es ist also kein Ratgeber im eigentlichen Sinne, sondern eine Kritik am System, die zum Umdenken und Hinterfragen anregen und warnen will.

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