Versteckte Gefahren für den Hund – Teil I

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Hund auf dem Arm

„Wir hätten ihn noch retten können“ – so oder so ähnlich hört man es leider immer wieder. Und auch ich hätte diesen Satz fast einmal sagen müssen…

Es passierte vor gut sechs Jahren: Ich war mit meiner damals 16 Wochen alten Border Collie-Hündin Candis bei einer Hundebesitzerin zum Hausbesuch. Während ich mit der Kundin und ihren Hunden trainierte, wartete Candis für eine Stunde im Auto. Nach dem Training durfte sie noch ein wenig mit den gleichaltrigen Hunden spielen. Nach ungefähr zehn Minuten fing sie plötzlich an zu taumeln, übergab sich und die Hinterbeine sackten weg.

Bei diesen Symptomen dürfte jedem klar sein, dass der Hund etwas Ernstes hat und schnelles Handeln gefragt ist. Die nächste Tierklink war eine Stunde entfernt, also rief ich beim nächsten Landtierarzt an und fuhr los. Was nun folgte habe ich noch genau vor Augen und wenn ich an diese schrecklichen Momente denke bekomme ich einen dicken Kloß im Hals.

Die Vergiftung

Während ich über die mit Schlaglöchern übersäte Landstraße fuhr, guckte ich immer wieder in den Rückspiegel, um mich zu vergewissern wie es Candis geht. Was ich dann sah trieb mir die Tränen in die Augen: Sie lag auf dem Rücken, die zuckenden Beine in die Luft gestreckt, nach wenigen Sekunden erschlaffte der kleine Hundekörper und fiel auf die Seite. Mir war klar, meine Candis ist in diesem Moment gestorben….

Wie ferngesteuert fuhr ich trotzdem weiter zum Tierarzt. Wie ich die Fahrt dorthin geschafft habe weiß ich nicht mehr, die Straße konnte ich durch den Schleier aus Tränen kaum noch sehen. Bei der Praxis angekommen kamen mir sofort der Tierarzt und seine Helferin entgegengelaufen. Ich nahm meine Candis auf den Arm und sagte ihnen, dass sie bereits tot sei, doch der Tierazt nahm mir die kleine Maus aus den Armen und rannte mit ihr in die Praxis.

Ich blieb draußen auf dem Parkplatz zurück und ging in die Knie.

Nach wenigen Minuten kam die Tierarzthelferin wieder und sagte mir, dass die Kleine leben würde, doch das kam nicht bei mir an, drang gar nicht bis in mein Bewusstsein vor. Wie ferngesteuert lief ich in den Behandlungsraum und erzählte der Tierazthelferin nebenbei, dass Candis ein paar Kaugummis gefressen hatte, aber das könne jawohl kaum der Grund sein….

Im Behandlungsraum sah ich sie, mit Infusionen versorgt und immer noch bewusstlos, auf dem Tisch liegen. Der Tierarzt vermutete einen epileptischen Anfall, aber so richtig wusste man auch nicht weiter… Der Arzt bat mich dann, die Verpackung der Kaugummis zu holen und telefonierte danach mit mehreren anderen Tierarztpraxen.

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Kaum bekannt, aber lebensgefährlich: Xylitol

Von der Fahrt zur Praxis bis zu diesem Moment war ich mir immer noch sicher ich habe meine kleine verrückte Maus für immer verloren… Doch Candis kam tatsächlich wieder zu Bewusstsein! Ich weiß nicht wie, aber sie hatte den Kampf gewonnen, ganz alleine! Doch welchen Kampf hatte sie gewonnen? Der Feind heißt Xylitol! Genau diese Information hatte der Tierarzt in diesem Moment von einem Kollegen erhalten.

Xylitol ist ein Süßstoff und in vielen Lebensmitteln, u.a. in zuckerfreien Kaugummis, enthalten. Man findet es auch in einigen pharmazeutischen Produkten und Produkten zur Mundhygiene, wie zum Beispiel in Zahncreme oder in Zahnpflegekaugummi. Die Verwendung im Haushalt zum Backen oder Süßen ohne Zucker ist ebenfalls möglich.

Was kaum jemand weiß: Xylitol ist hochgiftig für Hunde, schon 0,1 g pro Kilogramm Körpergewicht können reichen, um einen Hund zu töten! Durch die Aufnahme von Xylitol kommt es beim Hund zu einer immensen Insulinausschüttung, welche den Zuckerspiegel im Blut senkt. Wie bei Candis kommt es zu Krämpfen und komatösen Zuständen bis hin zum Tod. Zusätzlich kann es auch zu lebensgefährlichen Leberschäden kommen.

Leider wusste dies selbst der Tierarzt nicht; Candis hätte nur Glukose gespritzt bekommen müssen. Ja, meine Kämpferin hat es alleine geschafft (glücklicherweise wird sie einen Großteil der Kaugummis durch das Erbrechen ausgeschieden haben), aber mit diesem Wissen hätte man ihr schnell und richtig helfen können. Ich bin so unendlich froh , dass dieser starke Hund den Kampf damals nicht verloren hat und ich möchte, dass möglichst viele Hundebesitzer Bescheid wissen, damit ihnen Ähnliches erspart bleibt.

Das Beste ist natürlich dafür zu sorgen, dass der Hund keine Lebensmittel mit Xylitol zu Fressen bekommt und diese auch nicht für ihn erreichbar sind. Solltet ihr aber bemerken, dass euer Hund etwas Xylitolhaltiges zu sich genommen hat, solltet ihr euch sofort auf den Weg zum Tierarzt machen. Am Besten bekommt der Hund dort eine Spritze, welche das Erbrechen auslöst. Sind die Symptome schon zu stark, hilft nur eine Infusion, welche Zucker enthält.

Candis hat damals noch eine Infusion bekommen und ungefähr eine Stunde später war sie, zuhause angekommen, schon wieder zu allen Schandtaten bereit, so als wäre gar nichts gewesen. Ich hatte allerdings noch tagelang mit dem Erlebten und dem kurzzeitigen Glauben daran, meinen Hund verloren zu haben, zu kämpfen.

Candis, du warst mit 16 Wochen schon so stark wie du es auch heute noch in allen Lebenslagen bist. Bleib so wie du bist, little fighter!

Unbekannte Gefahren

Mit Hunden ist es ähnlich wie mit Kindern: Man muss sie vor Gefahren schützen, die man manchmal selbst gar nicht also solche wahrnimmt- weil man sie schlichtweg nicht alle kennt. Deswegen wollen wir euch in dieser Reihe einige für Hunde gefährliche Stoffe vorstellen.

2 KOMMENTARE

  1. Danke für diesen Hinweis! Wir waren gerade erst in der Tierklinik wegen fürchterlichem Erbrechen! Man fühlt sich so hilflos. Das Süßstoffe so gefährlich sind hätte ich nicht gedacht ?

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