Placebo-Effekt für Hunde: Hilfe ohne Chemie

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Dieser Hund isst einige Pillen - ohne Inhaltsstoffe, ein Placebo-Medikament

Placebos sind Scheinmedikamente oder -therapien, die keinen Wirkstoff enthalten. Dennoch zeigen sie beim Menschen oder beim Tier eine Besserung der Körperfunktionen und des Wohlbefindens. Warum das so ist, wird unterschiedlich begründet. Auch beim Hund kannst du Placebo-Effekte nutzen.

Was sind Placebos?

Lange Zeit waren sich die Wissenschaftler nicht darüber einig, weshalb Placebos wirken. Dass sie einen positiven Effekt auf Krankheitsverläufe besitzen können, wurde in diversen Studien bewiesen. Selbst starke Beschwerden und schwere Krankheiten konnten durch den Einsatz von Placebos gelindert werden. Nicht von ungefähr auch der Name des Effekts: placebo heißt auf Latein Ich werde gefallen.

Auch heute ist allerdings noch nicht bewiesen, welche Reaktionen die Scheinmedikamente im Organismus hervorrufen. Belegt ist, dass in erster Linie die Erwartungshaltung gegenüber dem Behandelnden, aber auch gegenüber der Erkrankung und ihrem Verlauf beeinflusst wird. Das Scheinmedikament löst auf den Körper bestimmte Reize aus, die die Selbstheilungskräfte ankurbeln.

Umstritten ist, weshalb diese Behandlungsmethode auch bei Kindern und Tieren funktioniert, zumal diese die Wirkung von Medikamenten nicht einschätzen können. Dein Hund weiß nicht, dass ihm ein bestimmtes Medikament hilft. Weshalb kann ihm ein Placebo dennoch helfen?

Die Einstellung des Hundehalters ist entscheidend

Dein Hund kann aufgrund unterschiedlicher Ursachen erkranken. Fehlernährung, Bewegungsmangel oder äußere Umweltreize können zu Veränderungen im Stoffwechsel führen und Krankheiten hervorrufen. Möglich ist aber auch, dass sich dein Hund psychisch unwohl fühlt. Hunde sind sehr sensible Geschöpfe, auf die sich der Gemütszustand ihrer Besitzer überträgt. Fühlst du dich gestresst, ängstlich oder traurig, verunsichert dies deinen Hund. Er reagiert mit Verhaltensstörungen oder Krankheiten.

Sobald du dir mehr Zeit für deinen Hund nimmst, genießt er diese Aufmerksamkeit. Dabei ist es nicht entscheidend, ob du den Tierarzt aufsuchst, ihn gesund pflegst oder anderweitig erhöhte Aufmerksamkeit zukommen lässt. Durch deine Aufmerksamkeit verbessert sich das Wohlbefinden deines Hundes. Sein Körper kommt zur Ruhe und gesundet.

Festzuhalten ist: Dein Hund spürt immer deine Einstellung gegenüber der Behandlung, dem Tierarzt und dem Tierheilpraktiker. Bist du mit der Behandlung einverstanden und von ihrem Erfolg überzeugt, dann wirken sie auch! Stehst du genau der gleichen Methode skeptisch gegenüber, sind sie wirkungslos. In dem Fall solltest du eine andere Methode in Erwägung ziehen oder den Tierarzt wechseln.

Sicher hast du bemerkt, dass es gar nicht darauf ankommt, was die Methode ist. Das wäre ja auch unsinnig: Der Placebo-Effekt entsteht trotz der eigentlichen Unwirksamkeit der Methode an sich. Wesentlich sind daher die Einstellung und die vermittelten Gefühle. Überlege selbst, wann bist du erfolgreicher: Wenn du dir sicher bist, heute ein tolles Kleid zu finden oder wenn du schon wieder so ein blödes neues Kleidungsstück suchen gehen musst? Die Einstellung macht tatsächlich einen Unterschied: Es konnte sogar nachgewiesen werden, dass belegt wirksame Medikamente ihre Wirkung verloren, wenn der Patient nicht an ihre Wirkung glaubte.

Placebos sind besser als Medikamente

Placebo bedeutet im Kopf vieler Menschen mangelnde Wirkung. Dies trifft aber so nicht zu. Die Bundesärztekammer (BÄK) betont sogar die starke und komplexe Wirkung von Placebos. Sie seien, wo möglich, zudem besser als „echte“ Medikamente. Das ist auch logisch nachvollziehbar: Wenn es mir gelingt, ein Problem mit einer Pille zu beheben, die lediglich gemahlenes Brot („Brotpille“) oder wirkungslosen Zucker enthält, ist dies besser als ein Pulver, das möglicherweise starke Nebenwirkungen verursacht.

Insbesondere stellt auch diese Stellungnahme das Verhältnis zwischen Arzt und Patient heraus und fordert, bei der Medizin-Ausbildung die Nutzung verschiedener Placebo-Effekte zu vermitteln. Grundsätzlich empfiehlt die BÄK: Es ist die effektivste Therapie zu wählen. Bei gleich geeigneten Methoden ist diejenige mit dem höchsten Erfolg und/oder geringstem Risiko und Nebenwirkungen zu wählen. Das gilt explizit auch für Placebos.

Die Stellungnahme gibt es in einer Kurzform und in der Langfassung. Natürlich bezieht sich die BÄK bei ihren Ausführungen auf Menschen, aber bei Hunden und anderen Tieren dürfte es nicht wesentlich anders sein.

Ein Placebo reicht nicht immer

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Gleichzeitig ist aber auch klar: Ein Placebo reicht nicht immer. Das wäre Vogel-Strauß-Politik: Einfach nur die Augen vor einem Problem verschließen, lässt das Problem nicht verschwinden. Im Gegenteil: Oft wird es dadurch nur schlimmer. Zwar gibt es auch Berichte, dass positives Denken Tumore zurückgehen lässt. Sich nur darauf zu verlassen, ist jedoch äußerst zweifelhaft.

Gefährlich ist auch ein übertragener Placebo-Effekt, der sogenannte caregiver placebo effect. Mehrere Studien stellten fest, dass ein Besitzer nach einer Placebo-Gabe die Krankheit seines Tieres als gelindert ansah. Objektiv fand allerdings keine Veränderung der Beschwerde statt! Hierbei betrifft der Placebo-Effekt nur den Behandelnden, nicht aber den eigentlichen Patienten. Der Glaube, dass man seinem Tier etwas Gutes getan hat, lässt einen das Verhalten und Befinden des Hundes entsprechend einschätzen. Dies ist jedoch subjektiv und kann falsch sein. Daher sollten Behandlungen ernster oder chronischer Erkrankungen von Fachleuten wie Tierärzten oder Tierheilpraktikern begleitet werden. So sind ein objektiver Blick und eine zweite Meinung gewährleistet. Du bist eher davor gefeit, ein Problem als erledigt anzusehen, obwohl es weiter vorhanden ist. Wermutstropfen: Auch behandelnde Tierärzte unterliegen oft dem caregiver placebo effect. In dieser Studie in nahezu 45 % bei Tierärzten und etwa 40 % bei Besitzern.

Die BÄK zieht dort klare Grenzen, wo gegen das Wissen der Heilkunst oder den Willen des Patienten eine vorhandene Therapie unterlassen wird. Eine gebrochene Pfote wird eben nicht durch eine Tafel Hundeschokolade mit Heilerde wieder ganz und auch Krebs heilt sie nicht. Eine sinnvolle Empfehlung, die auf einen bekannten Leitsatz hinausläuft: So wenig wie möglich – aber so viel wie nötig.

Wie nutze ich den Placebo-Effekt für meinen Hund?

Du nutzt den Placebo-Effekt bereits, wenn du deinem Hund ein Mittel gibst, ihm einen Umschlag auflegst oder ihn massierst. Auch Knuddeln und eine erhöhte Betreuung, Kochen, Füttern, mehr Zeit tragen dazu bei. Diese Aktivitäten beruhigen dein Gewissen: Du machst alles, was dein Hund braucht, hilfst ihm und hast dir nichts vorzuwerfen. Vom Erfolg und seiner baldigen Behandlung bist du überzeugt.

Dies ist der Kernpunkt: Du musst überzeugt sein, positiv vorwärtsgerichtet, dass es ihm bald bessergeht. Deine Gelassenheit überträgt sich dann auf den Hund; seine Cortisol-Ausschüttung verändert sich und sein Körper aktiviert Selbstheilungskräfte.

Allerdings gilt beim Hund genau das Gleiche wie beim Menschen: Wende keine Mittel an, die dem Hund schaden. Und verzichte nicht auf Medikamente, wo sie notwendig sind. Bei Erkrankungen und nicht minimalem Unwohlsein musst du den Tierarzt aufsuchen. Auch dann wirkt deine positive Einstellung mit echter wie mit falscher Medizin und Therapie gut auf deinen Hund.

In diesem Sinne: Alles wird gut!

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