Impfungen: Sinnvoller Schutz oder schädliche Chemie?

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Impfungen beim Hund

Impfungen sind unter Hundebesitzern ein häufig diskutiertes Thema. Heutzutage sind sie meist unabkömmlich, nicht nur wenn du mit deinem Hund verreisen willst. Auch Hundepensionen und Hundeschulen verlangen inzwischen häufig einen Impfpass. Doch warum solltest du impfen – und wogegen?

Wenn Sporen, Bakterien oder Viren in den Organismus des Hundes gelangen, reagiert das Immunsystem. Es produziert körpereigene Abwehrzellen, die Lymphozyten. Diese Abwehrzellen zerstören die Erreger und befallene Zellen. Sogenannte T-Gedächtniszellen speichern zudem die Baupläne des Erregers. Selbst nach Jahrzehnten erinnert sich das Immunsystem.

Immunsystem: Effizienz durch „Steckbriefe“

Mit dieser Erinnerung ist das Immunsystem hervorragend vorbereitet auf Erreger, die den Körper bereits infiziert hatten. Einer neuen Infektion kann es schneller und effektiver begegnen. Vergleiche das mit den Steckbriefen im Wilden Westen: Der Sheriff weiß, dass ein Gesuchter Ärger macht. Nennen wir den Desperado „Wild Bill“. Lange bevor es zu Schießereien und Banküberfällen kommt, hat der Sheriff von Dodge City Bills Bande bereits aufgerieben und aus der Stadt geworfen. Der Steckbrief beschreibt Bill und was er getan hat. Die T-Gedächtniszellen funktionieren fast genauso wie die Steckbriefe.

Impfung: Bewusste Informationen zur Vorbeugung

Bei einer Impfung provoziert man diesen natürliche Vorgang durch das gezielte Verabreichen von Erregern. Die Erreger werden in geschwächter Form injiziert. Somit lösen sie die Krankheit (einen schweren Befall) nicht aus. Im Wildwest-Beispiel kommt Wild Bill also alleine – seine Gang ist nicht dabei. Sein Pferd lahmt und sein Revolver ist leer. Klar: Der Sheriff gewinnt so einen Kampf locker. Aber in Dodge City kennt man Bill noch nicht. Also macht er, was er am besten kann: Ärger. Der Sheriff erkennt das schnell: Wild Bill ist eine Gefahr. Also krallt er sich den Typen, zeichnet einen Steckbrief, und legt ihn in seine Kartei. Den Gauner jagt er zurück in die Wüste. Wenn Wild Bill erneut auftaucht (allein oder mit seiner Gang), erwartet man ihn entsprechend.

SHPPiLT – Kombinationsimpfung für Hunde

Vielleicht hast du schon einmal in den Impfpass deines Hundes geschaut und dort SHPPiLT entdeckt. SHPPiLT ist eine sogenannte Kombi-Impfung gegen mehrere Erreger. Die Abkürzung bezeichnet die unterschiedlichen Krankheiten, nämlich: Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Parainfluenza-Virus, Leptospirose und Tollwut.

Ein kurzer Blick auf die Krankheiten und weshalb du impfen solltest!

Die wichtigsten Impfungen für den Hund

Staupe

Staupe ist eine Infektionskrankheit. Sie wird direkt von Hund zu Hund übertragen. Neben der Parvovirose gehört sie zu den gefährlichsten Hundekrankheiten und führt häufig zum Tod. Das Krankheitsbild ist vielseitig: Lungenentzündung, Darmentzündung, Gehirn- und Nervenentzündung. Oft beginnt Staupe mit Fieber und Abgeschlagenheit. Es folgen je nach befallenem Organsystem weitere Symptome.

Hepatitis

Hepatitis ist eine ansteckende Leberentzündung. Die Leber wird dauerhaft geschädigt; Gelbsucht und Durchfall kommen mit ihr. Selten kommt es zu einer Gehirnentzündung. Die Infektion verläuft unterschiedlich schwer. Kurz nach der Ansteckung bekommt dein Hund Fieber. Dann beginnen die Organschädigungen. Typisch ist eine Leberschwellung und hohe Schmerzempfindlichkeit. Erbrechen, Durchfall und eine Trübung der Augen-Hornhaut sind weitere Merkmale der Hepatitis. Die Hepatitis ist heute dank der erfolgreichen Bekämpfung mittels Impfung praktisch aus der Hundepopulation verschwunden.

Parvovirose

Die Parvovirose ist hochansteckend und verläuft akut. Besonders betroffen sind Welpen im Alter von 2 bis 16 Wochen und alte Hunde. Da sie nahezu identische Symptome aufweist, nennt man sie auch „Katzenseuche des Hundes“. Inzwischen geht man davon aus, dass sie das Virus von Hund zu Katze überträgt. Erkrankte Hunde bekommen Fieber, leiden unter Appetitlosigkeit und Apathie. Oft kommt es zu blutigem Durchfall und Erbrechen. Die Zahl der weißen Blutkörperchen nimmt ab. Dadurch ist der kranke Organismus besonders anfällig für weitere Infektionen. Bei schwerem Verlauf stirbt ein erkrankter Hund in 24-48 Stunden.

Zwingerhusten (Parainfluenza-Virus)

Der Zwingerhusten ist eine Erkrankung der oberen Atemwege, ausgelöst durch ein Parainfluenza-Virus. Stress und Umwelteinflüsse begünstigen den Ausbruch. Zwingerhusten wird vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen, also durch „Anhusten“ oder auch gemeinsames Spielzeug. Die Krankheit verläuft gewöhnlich mild. Typisch sind Fieber und vereinzelte bellende Huster. Die Impfung gegen Zwingerhusten schützt leider nur gegen den Haupterreger. (Mehr über Zwingerhusten)

Leptospirose

Leptospirose kann zwischen allen Tieren und Menschen übertragen werden (eine sogenannte Zoonose). Häufig findet sich der Erreger in Gewässern wie Baggerseen. Durch den direkten Kontakt beim Schwimmen kann sich dein Hund infizieren. Symptome sind Fieber, Fressunlust und Erbrechen, manchmal Gelbsucht, Schmerzen im Bauchraum, blutiger Stuhl und Muskelzittern. Der Erreger wird mit dem Urin ausgeschieden. Desinfiziere daher Gegenstände, die Kontakt mit infektiösen Körpersekreten hatten.

Tollwut

Auch Tollwut ist eine Zoonose, die älteste bekannte. Unbehandelt ist Tollwut tödlich. Infiziert wird dein Hund durch den Biss eines kranken Tieres. Das Virus gelangt ins Rückenmark und ins Gehirn, wo es Nervenzellen schädigt. Krankheitssymptome sind zunehmende Aggression, Lähmungen, Krampfanfälle und vermehrter Speichelfluss. Betroffene Tiere verenden meist innerhalb von zwei Wochen. In Europa gilt der Fuchs als Hauptüberträger.

Borreliose

Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Übertragen wird sie vor allem durch den „gemeinen Holzbock“, auf Tiere und Menschen. Nach einer Rötung um den Biss kommt es zu eitrigen Gelenksentzündungen und Lahmheit etwa zwei bis drei Monate nach dem Biss. In der Regel heilt dies auch ohne Behandlung aus. Nieren- und Allgemeinerkrankungen können Folge einer Borreliose sein. Die Borreliose-Impfung ist eine zusätzliche Impfung. Der Impfstoff wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Vermutlich schützt er nur gegen einige Borreliosestämme. Der  Schutz gegen Zecken ist daher die wichtigste Vorsichtsmaßnahme. Entscheidest du dich für eine Borrelioseimpfung, sollte dein Tierarzt prüfen, ob dein Hund die Erreger schon in sich trägt. Eine Impfung kann dann zu einem direkten Ausbruch führen.

Impfen – Ja oder Nein?

Die meisten Hundebesitzer sehen Impfungen als wirksamen Schutz. Die Notwendigkeit mancher Impfungen ist jedoch umstritten. Es gibt immer mehr Impfstoffe. Soll man jährlich impfen? Alle zwei Jahre? Oft werden Hunde unnötig geimpft. Hat dein Hund keinen Kontakt zu anderen Hunden, macht es wenig Sinn, gegen Zwingerhusten zu impfen. Auch der Sinn der Tollwutimpfung ist zunehmend fraglich: Seit 2008 gilt Deutschland als tollwutfrei, Wildtiere eingeschlossen. Die Möglichkeit einer Infektion ist in Mitteleuropa verschwindend gering. Musst du deinen Hund also unbedingt der Belastung einer Impfung aussetzen?

Abwägung: Schutzeffekt gegen Nebenwirkung

Das Prinzip der Impfung klingt wunderbar. Aber es gibt auch Nachteile. Unter Umständen bringt eine Impfung Nebenwirkungen mit sich. Diese reichen von „unerfreulich“ bis „lebensgefährlich“. Bei einer Grippeimpfung fühlen sich viele Menschen einen Tag schlapp – manche auch länger. Bei deinem Hund ist das nicht viel anders. Gönn ihm nach einer Impfung einen oder mehrere Tage Ruhe. Auch Erbrechen und Durchfall sowie allergische Reaktionen können durch eine Impfung auftreten. Das Schlimmste ist ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock. Dieser ist jedoch grotesk unwahrscheinlich. Das gilt auch für sogenannte Impfsarkome (Tumore an der Einstichstelle), Lähmungen und Autoimmunerkrankungen. Sie alle zählen zu den absoluten „Worst Case“- Spätfolgen einer Impfung.

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Bleibt also: Überlege, welche Infektionen eine konkrete Gefahr für deinen Hund sind. Inzwischen unterscheiden Mediziner zwischen „Core-Vakzinen“ und „Non-Core-Vakzinen“. Gegen Erreger von Core-Vakzinen muss ein Hund jederzeit geschützt sein. Das kann statt durch Impfung auch durch anderweitige erworbene Immunität geschehen. Zu den Kernvakzinen beim Hund zählen Parvo-, Staupe und Tollwutvirus. In Deutschland gibt es hierfür einen Kombinationsimpfstoff. Gesetzlich vorgeschrieben ist in Europa jedoch nur die Impfung gegen Tollwut.

Gegen Non-Core-Vakzine sollten Hunde jedoch nur entsprechend ihren Lebensbedingungen geschützt werden. Braucht ihr die Impfung gegen Zwingerhusten, wenn ihr nie auf andere Hunde trefft? Ist dein Hund ein echter Zeckenmagnet? Dann macht die Borreliose-Impfung Sinn. Seid ihr als Agility-Sportler sowieso jedes Wochenende auf einem Turnier? Dann ist ein makelloser Impfpass ohnehin Pflicht. Berate dich mit deinem Tierarzt! Gemeinsam könnt ihr festlegen, welche Impfungen dein Hund wirklich braucht. Mach dir aber auch selbst Gedanken darüber, was du willst. Bei jeder Impfung sollte gelten: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

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1 KOMMENTAR

  1. Mein Yorkshire Terrier „Nicki“ ist vor zwei Wochen mit 5 Jahren an den Folgen der jährlichen Impfung gestorben. Er litt an einer Nierenisuffizienz, die aber behandelt wurde. Es ging ihm gut, jeden Tag sind wir einige Kilometer im Park spazieren gegangen. Er hat das Leben geliebt, das man ihm genommen hat. Zwei Ärzte in der Klinik, in der er teils stationär behandelt wurde, versicherten mir, „Sie hätten den Hund NICHT geimpft“. Die Einschläferung und die folgende Einäscherung haben mir sehr zugesetzt. Ich fühle mich schuldig, meinen Hund nicht beschützt zu haben. Aber wer trägt die Verantwortung wirklich? Ich habe erst jetzt, nach dem Tod meines Hundes, damit begonnen, mich mit dem Thema „Impfen“ auseinander zu setzen. Zu spät für meinen Nicki.

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