Praxishandbuch Hundekrankheiten (Martin Bucksch)

1 Pfote2 Pfoten3 Pfoten4 Pfoten5 Pfoten (1 mal abgestimmt, Durchschnitt: 5,00 von 5 Pfoten)
Loading...
Bucksch Praxishandbuch Hundekrankheiten Cover

 

Das Praxishandbuch Hundekrankheiten (Untertitel: Vorsorge und Erste Hilfe. Krankheiten erkennen und behandeln) passt in keine Hosentasche. Das ist auch nicht Ziel dieses 300-Seiten-Hardcovers. Mehr als ein Ratgeber zur schnellen Ersten Hilfe ist es ein Grundlagenbuch, das Hundebesitzer auch einfach so lesen können. Martin Bucksch gelingt es, zu unterhalten. Er erzählt persönliche Erlebnisse, vermeidet Schwarz-Weiß-Zeichnungen und orientiert sich am Praktischen. Dabei geht er deutlich über das Gebiet der Hundekrankheiten hinaus.

 

Verständlich, Persönlich, Angenehm

Gleich zu Beginn nimmt Martin Bucksch sich vier Seiten Zeit, um den Leser persönlich anzusprechen und ihm zu erklären, was er in diesem Buch erwarten kann. Das sind vor allem keine Fachbegriffe. Es sind auch nicht nur Hundekrankheiten und selbst über die Erste Hilfe im Untertitel geht er hinaus. Vor allem aber distanziert er sich von Pauschalbehandlungen, der Futtermittelindustrie und Lösungen ohne Alternativen: Es gibt immer verschiedene Möglichkeiten. Nicht glücklich wird mit diesem Buch, wer für jeden Fall eine eindeutige Lösung erwartet: Manchmal gibt es kein klares Ja oder Nein und auch dies betont Martin Bucksch in seinem Vorwort. Das finde ich gut, denn allzuoft nehmen wir nur die praktischte Lösung, ohne ihre Folgen zu bedenken.

Diesen sehr persönlichen Stil hält er im ganzen Buch. Zwar ist dies ein Sachbuch, aber der Autor beschränkt Fachbegriffe auf einem Minimum und erklärt diese sofort. Durch Erfahrungsberichte mit seinen namentlich genannten Patienten lockert er die fachlichen Aussagen weiter auf und hält sie konkret: Einige Hunde-Erlebnisse kamen mir sehr bekannt vor … Gelegentlich scheint auch ein Funken Humor durch: Ein Bad oder kein Bad – keine leichte Entscheidung (so der Untertitel eines Bilds), auch wenn der Lieblingsball gerade ins Wasser gefallen ist.

Ganzheitliche Sicht

Blättere ich über die Einleitung hinaus, finde ich mich beim Wolf. Mit diesem beginnt Martin Bucksch, um die grundsätzlichen Lebensparameter des Hundes zu erklären. Hier zeigt sich, was sich durchs gesamte Buch fortsetzt: Es geht eben nicht nur darum, wo der Hund heute ist, sondern auch, warum er so ist. Dabei greift der Autor auch etablierte Bilder an und stellt Selbstverständliches infrage.

Bei einigen Krankheitsbildern favorisiert er Differenzierungen und Einzelfallentscheidungen. Dazu gibt er Hinweise und bleibt im Rahmen der Schulmedizin. Gleichzeitig verfolgt er aber die aus der Alternativmedizin bekannte Philosophie: So wenig wie möglich und so viel wie nötig.

Vor diesem Hintergrund rät er beispielsweise von pauschalisierten Impfungen (ganz meine Meinung!) ab und nennt die Kotuntersuchung als sinnvolle Alternative zur chemischen Wurmkur. Gleichzeitig erklärt er, warum Tierärzte und Industrie Hundehalter auf den bekannten Rhythmus konditionieren. Ihm geht es nicht darum, ein System zu verdammen, sondern vielmehr darum, Fragen aufzuwerfen und einen Tunnelblick zu vermeiden: Medikament A kann vielleicht Problem X beheben – begünstigt aber eine Krankheit Z und geht nicht an die Ursachen. Jene sind vielleicht absolut offensichtlich (Übergewicht!), werden aber aus verschiedenen Gründen ignoriert. Auch wenn wir es immer wieder hören: Gerade die Hinweise, nach den Gründen zu suchen, finde ich besonders wertvoll. Denn was bringt es mir, wenn mein Hund mit einem Medikament gesund wird – aber nächsten Monat gleich wieder krank?

Praxishandbuch Hundekrankheiten: Gesunder Hund
Das Buch setzt nicht bei Krankheiten an, sondern beim gesunden Hund.

Beim Stichwort Ganzheitlichkeit kommt der Begriff Alternativmedizin oft im gleichen Atemzug. Diese hat nicht viel Platz in diesem Buch, aber traditionelle chinesische Medizin und Ayurveda werden angerissen. Bucksch sieht Alternativmedizin nicht als Konkurrenz zur Schulmedizin, sondern als Ergänzung. Dazu passend entfällt ein guter Teil seines Buches auf die Vorbeugung: Ist es nicht besser, den Hund gar nicht erst krank werden zu lassen? Gesunde Ernährung und richtige Pflege, dazu Informationen zum Mikrochip und zum Reisen mit Hund machen dieses Buch zu einem ganzheitlichen Hundebuch. In mancher Kritik an der Tierarzt- und Futterindustrie ähnelt es dem eher plakativen Schwarzbuch Tierarzt.

 

Das Rundum-Buch zur Hundegesundheit

Sollte ich über den Titel urteilen, kann ich mich kurz fassen: Der passt nicht. Und das meine ich im positiven Sinne: Martin Bucksch geht eben nicht nur auf Hundekrankheiten ein, er liefert viel mehr. Das klingt schon bei der ganzheitlichen Sicht an: Mein Hund interessiert ihn nicht erst, wenn er krank ist! Ein verantwortungsvoller Hundehalter beschäftigt sich bereits mit dem gesunden Hund – und wie er gesund bleibt. Dies zeigt der Autor, indem er auch auf Bereiche rund um den Hund eingeht, die nur wenig direkt mit Krankheiten oder Erster Hilfe zu tun haben. Einen Abschnitt zu „Alten Hunden“ nehme ich jedoch gerne mit, ebenso wie den Hinweis auf das, was bereits in der Zucht falsch laufen kann!

Stellenweise kann man dem Buch vielleicht vorwerfen, dass es recht schnell den Gang zum Tierarzt empfiehlt. Stets bietet Bucksch aber auch Behandlungen an, die der Hundehalter selbst durchführen kann. Er nennt konkrete Zeiten, wann es ohne Besserung zum Veterinär gehen sollte. Letztendlich ist dies konsequent: Wenn mir jemand von pauschalen Therapien abrät, dann kann er in seinem Buch nicht plötzlich das Allheilmittel für jeden Hund mit Durchfall empfehlen. Die Ursachen für ein Symptom sind vielfältig. Manchmal muss der Fachmann sie erkennen und die richtige Therapie empfehlen. Bucksch geht es auch hier nicht darum, die Symptome loszuwerden, sondern Ursachen zu finden und abzustellen – möglichst vor einem Notfall.

 

Aufbau: Tabellen, Merkkästen, deutliche Beschreibung

Im Aufbau zeigt sich erneut, dass das Praxisbuch Hundekrankheiten kein Notfall-Ratgeber für die Tasche ist. Zwar bietet Bucksch 10 Seiten Diagnosetafeln mit Symptomen, Ursachen und Maßnahmen in Kurzform, aber diese befinden sich mitten im Buch und können so nicht in Eile gefunden. Andere Bücher lösen dies durch Schnelltafeln im Einband – aber ausführlicher sind so oder so die Beschreibungen in den Kapiteln.

Praxishandbuch Hundekrankheiten Diagnosetafel
Eine Diagnosetafel aus dem Buch.

Auch dieses Buch unterteilt Krankheiten und Verletzungen nach Organsystemen. Besonders schön finde ich den vorangestellten Vergleich mit den Organsystemen des Menschen. Das macht nachvollziehbar, wie wichtig Sehen oder Riechen für meinen Hund ist und wo seine Wahrnehmung ganz andere Dinge in den Mittelpunkt stellt. Schnell von Anfang an aufs richtige Symptom oder Krankheitsbild zu kommen, ist eher schwierig. Hier schafft das Register am Buchende Abhilfe.

Bieten die meisten Gesundheitsbücher die Symptome in Stichpunktform, so liefert das Praxishandbuch Infos zu Hundekrankheiten als Fließtext mit ganzen Sätzen. Auch dies macht das Lesen (im Kontrast zum Nachschlagen) angenehm. Bucksch geht grundsätzlich auf Symptome und Ursachen ein und erklärt dabei auch die Begriffe und was es damit auf sich hat. Behandlung und Vorbeugung (sowie bei komplexeren Fällen die Form der eindeutigen Diagnose) schließen die einzelnen Abschnitte ab. Fachjargon findet man nur an den wenigsten Stellen und bekommt ihn sogleich erklärt. Super lesbar, auch für Normalhundebesitzer ohne großes Expertenwissen! Diesen helfen auch die farbigen Kästen, die zum Beispiel eine einfache Schonkost für Hunde aufzeigen.

Das gilt auch für die Aufteilung: Bucksch deckt alle Standards ab und spricht auch häufig ausgelassene Probleme an. Dass er nicht die Tiefe eines Buches erreicht, das sich ausschließlich mit Hautkrankheiten des Hundes befasst, ist selbstverständlich. Ein solches Buch benötigt eine Hundehalterin in der Regel auch nicht. Stattdessen nimmt Bucksch sich dort mehr Platz, wo es häufig zu Problemen kommt: Zecken, beispielsweise, werden nicht nur im Rahmen der übertragenden Krankheiten angesprochen. Stattdessen findet sich auch die Frage, was eigentlich gefährlicher ist: die Zecke oder die Chemie, die ich zu ihrer Abwehr einsetze? Ein Rundumblick, nicht allein auf Hundekrankheiten, sondern darauf, wie ich meinen Hund möglichst gesund halte. Genau das will ich ja eigentlich!

 

Der Autor im Netz

Der Autor arbeitet in einer tierärztlichen Gemeinschaftspraxis in Hamburg-Lokstedt. Martin Bucksch ist der Fachmann für die Bereiche Tierdermatologie (Haut), dem inzwischen viele Patienten aus dem norddeutschen Raum überwiesen werden. Auf seiner Seite Dog’s Kitchen gibt er nicht nur Hinweise zur Ernährung. Er legt auch dar, wie unerforscht die Auswirkungen der Ernährung auf scheinbar ganz andere Krankheiten sind – und wie Studien zeigen, dass ein Zusammenhang bestehen muss.

Fazit: Für unterwegs sind andere Bücher handlicher. Das Praxishandbuch Hundekrankheiten ist jedoch meine absolute Top-Empfehlung für das heimische Bücherregal. Und zum Lesen, möglichst vorab, denn so kommt es gar nicht erst zu Krankheiten!

Leseprobe

Klicke hier für die Leseprobe!

Das Praxishandbuch Hundekrankheiten jetzt kaufen.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT