Unsinnige und veraltete Hundesprüche

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Veraltete Hundetrainersprüche: Den Hund ausschimpfen und in die Ecke schicken.

Es gibt ja so einige Mythen und „Weisheiten“ rund um Hunde, die man immer wieder hört, in denen aber nicht viel Substanz steckt. Oft sind sie schlichtweg falsch. Wir haben mal ein paar leider immer noch gängige Parolen aufgegriffen und diskutiert:

Hunde durchschütteln oder „unterwerfen“

„Wenn dein Hund nicht macht, was er soll, dann pack ihn im Nacken und schüttel’ ihn. Das macht die Hundemutter mit ihren Welpen genauso!“

Vielleicht packt eine Hundemutter ihre Welpen manchmal vorsichtig(!) am Nacken – aber nur, um sie zu tragen. Das kommt also einer menschlichen Mutter gleich, die ihr Kind auf den Arm nimmt. Niemals wird eine Hundemutter ihre Welpen jedoch schütteln. Das machen Hunde nur mit ihrer Beute, um diese nach der Jagd zu töten.

Wenn du deinen Hund also im Nacken schüttelst, versteht er das schlimmstenfalls als Angriff auf sein Leben. Dadurch verliert er das Vertrauen zu dir: Vielleicht versucht er, sich zu wehren, und beißt zu. Wende diese Art der Bestrafung daher weder beim Welpen an noch beim erwachsenen Hund. Erreichen tust du damit nichts außer Vertrauensverlust und im Schlimmsten Fall sogar Verletzungen an der Wirbelsäule. Schütteln am Nacken ist keine hundetypische Verhaltensweise, die bei der Hundeerziehung helfen kann!

Hier findest du Tipps zur richtigen Welpenerziehung!

Körperliche Strafen, Gewalt

„Wenn dein Hund nicht hört, gib ihm ruhig mal einen ordentlichen Klapps. Sonst macht er nur, was er will!“

Leider hört man solche Sprüche auch heutzutage sogar noch von manchen „Hundetrainern“. Dabei ist wissenschaftlich bewiesen: Hunde lernen viel besser mit Lob und Belohnung für richtiges Verhalten als mit harten Strafen. Schläge führen nicht nur dazu, dass dein Hund Angst vor dir bekommt; sie sind auch für die Erziehung nutzlos. Sie schaden außerdem der Bindung – und Gewalt gegen Tiere ist auch dann Gewalt, wenn sie als “Erziehung” gemeint ist.

Konsequente Erziehung ist wichtig – aber hierfür braucht es keine harten Strafen. Die richtige Belohnung hilft viel mehr!

Einfach wegsperren

„Wenn dein Hund nicht hört, sperr ihn zur Strafe weg. Er weiß genau, was er falsch gemacht hat!“

Einfach ignorieren, wenn dein Hund etwas Unerwünschtes tut – so wurde es doch immer gesagt? Ja, das stimmt – aber damit ist gemeint, dass man unerwünschtes Verhalten ignoriert und nicht mit Aufmerksamkeit belohnt.

Liebesentzug” als Strafe verstehen Hunde nicht. Wenn du deinen Hund eine Stunde ignorierst, weil er etwas Falsches gemacht hat, kann er dies nicht miteinander verknüpfen. Ignorieren als Strafe ist ein menschliches Konzept. Ob es Sinn macht, Kinder “sich schämen gehen” zu schicken, kann diskutiert werden. Bei Hunden führt es auf jeden Fall nicht zum Erfolg..

Denn die Aussage hat einen kritischen Fehler: Dein Hund weiß nicht, was er falsch gemacht hat! Beim Belohnen ist das Zeitfenster von wenigen Sekunden wichtig. Nur dann zieht dein Hund die Verbindung zwischen seiner Tat und der Bestätigung. Bei einer Strafe wäre dies nicht anders. Und bis du deinen Hund weggesperrt hat, vergeht deutlich mehr Zeit. Man darf also keinesfalls menschliches Verhalten mit tierischem gleichsetzen.

Und gerade deswegen ist es wichtig, auch den Faktor Emotionen in der Hundeerziehung zu berücksichtigen!

Rudelführer zuerst!

„Dein Hund muss hinter dir gehen, denn der Rudelführer geht immer vorne! Das ist auch bei den Wölfen so.“

„Du musst immer vor deinem Hund essen.“

„Der Hund darf niemals erhöht liegen.“

Diese Aussage ist falsch, wie Forscher inzwischen herausfanden: In freilebenden Wolfsrudeln laufen die Leittiere nicht ständig vorne, sondern sind oft in der Mitte des Rudels zu finden. Außerdem ist die jahrzehntelang gängige Ansicht, Hunde oder Wölfe würden im Rudel permament um Vorherrschaft kämpfen, mittlerweile widerlegt.

Ob dein Hund vor oder hinter dir läuft, hat somit nichts damit zu tun, ob er dich als Anführer oder gar „Rudelführer“ sieht.

Von diesem Spruch gibt es eine Variante für nahezu jede Lage: Der Hund dürfe nicht vor dir essen oder nicht gemeinsam mit dir; der Hund dürfe nicht an deinem Tisch essen; er dürfe nicht aufs Bett, nicht auf die Couch oder generell niemals auf eine erhöhte Position. Bei all diesen Dingen gilt: DU entscheidest, was dein Hund darf und was nicht. Das allein ist das Gesetz – nicht bestimmte Orte oder Reihenfolgen an sich. Es schadet nicht, wenn er auf der Couch liegt oder auf dem Bett oder einem sonstigen Platz. Einzig und allein wenn du ihn dort nicht haben möchtest, solltest du ihm früh beibringen, dass dieser Ort für ihn tabu ist.

Hunde regeln alles untereinander

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„Wenn sich Hunde begegnen, mische dich nie ein. Die müssen das untereinander regeln!“

Es stimmt: Hunde sind soziale Tiere und die meisten Begegnungen zwischen fremden Hunden verlaufen friedlich. Allerdings beherrschen leider nicht alle die Spielregeln. Außerdem kann es Missverständnissen geben.

Manchmal muss deshalb der Mensch eingreifen und Streithähne trennen, bevor es zur Beißerei kommt, oder um unsichere Hunde vor zu aufdringlichen, wilden Spielaufforderungen schützen. Ein guter Hundetrainer erkennt, was Hunde tatsächlich noch untereinander regeln können, und wann sie Hilfe durch einen Menschen brauchen. Das ist zugegebenermaßen nicht einfach und braucht Erfahrung.

Deswegen ist es keinesfalls richtig, passiv daneben zu stehen und darauf zu vertrauen, dass Hunde alles unter sich regeln. An sich ist es sogar richtig: sie regeln es unter sich. Aber das Ergebnis kann ein sehr Unschönes sein und schwere Verletzungen mit sich bringen. Deshalb hat immer der Mensch die Verantwortung für Hundebegegnungen.

Besonders wichtig ist ein Eingreifen auch bei Hunden mit Erkrankungen: Ist dein Hund ein Senior und hat womöglich Probleme mit dem Rücken, wird er beim stürmischen Spiel mit einem großen Welpen leicht eine Verletzung davon tragen. Das weiß der Welpe aber nicht und geht ebenso stürmisch zugange wie bei seinen gleichgroßen, gesunden Kameraden. Und auch wenn ein Hund sehr schüchtern oder sogar traumatisiert ist, sollte man Bedenken der Besitzer nicht abwiegeln, sondern die Situation selbst unter Kontrolle behalten.

Käse schadet der Nase

„Gib deinem Hund keinen Käse als Leckerli, davon wird sein Geruchssinn schlechter.“

Wo diese Idee herkommt, ist vollkommen unklar, dennoch hält sich das Gerücht hartnäckig. Es gibt keinerlei Beweise und auch keinen sinnvollen medizinischen Grund für diese angebliche Wirkung von Käse auf Hunde.

Natürlich sollte dein Hund nicht zu viel von Gouda und Co naschen: Wegen des hohen Fettgehalts macht Käse schnell dick und kann bei empfindlichen Hunden zu Verdauungsproblemen führen, zumal viele Hunde keine Laktose vertragen! Gegen geringe Mengen als Belohnung ist aber nichts einzuwenden.

Auch wenn Käse kein wirklich gutes Futter für Hunde ist: Der guten Spürnase deines Hundes kann selbst der stinkendste Käse auf Dauer nichts anhaben.

Pauschalaussagen: Das gilt für alle Hunde

„Alle Hunde müssen…“

Hunde sind zwar immer Hunde, aber zwischen den Rassen bestehen große Unterschiede. Kleiner Hund, großer Hund; Hund mit Will-to-Please oder Hund, der lieber allein arbeitet; Schoßhund oder Sportskanone und Arbeitstier. Führt man sich solche Unterschiede vort Augen, fällt es schwer, daran zu glauben, dass die gleiche Maßnahme für jeden Hund geeignet ist.

Natürlich sind pauschale Aussagen in Ordnung, wenn es weitergeht mit „… in der menschlichen Gesellschaft zurechtkommen“ oder „… im Straßenverkehr gehen können“ oder Ähnliches. Denn natürlich gibt es Grundanforderungen an das Zusammenleben von Hund und Mensch, die festgesetzt sind, um niemanden in Gefahr zu bringen. Der Weg dorthin ist aber nicht festgelegt.

Wenn es um eine konkrete Maßnahme geht, kommt es immer sowohl auf den Menschen als auch auf den jeweiligen Hund an. Ein guter Hundetrainer sieht also das Team, und bezieht ebenso die Unterschiede zwischen Rassen und das individuelle Wesen des Hundes mit ein.

Welpenschutz

Kleiner Hund únd großer Hund
Große Hunde sind manchmal von den „jungen Wilden“ genervt – Welpenschutz in diesem Sinne gibt es nicht.

„Der ist ja noch jung, der hat noch Welpenschutz, das wissen die anderen Hundes.“

Welpenschutz ist die Idee, dass junge Hunde Narrenfreiheit genießen. Sie können sich erlauben, was andere nicht mehr dürfen. Leider ist diese Idee erstens falsch und zweitens kontraproduktiv.

Hunde oder Wölfe in freier Wildbahn gehen durchaus anders mit jungen Rudelmitgliedern um. Sie werden nicht so vehement zurückgewiesen. Allerdings gibt es auch hier klare Grenzen. Zwar mag ein Welpe ein älteres Tier spielend umspringen und anstupsen, aber beizeiten wird der Ältere knurren und ihm vielleicht sogar einen sachten Stoß geben. Das ist für den Welpen ein eindeutiges Zeichen: Lass es, es ist genug. Normalerweise hört er auch darauf.

Zu glauben, dass ein Welpe niemals von anderen Hunden angegriffen oder gebissen werden könnte, ist eine falsche Sicherheit. Im Gegenteil: Viele erwachsene Hunde sind oft genervt von hyperaktiven, distanzlosen Welpen und auch manche Hündin kann sehr zickig auf fremde Welpen reagieren. Deswegen gilt auch hier: Der Mensch muss die Verantwortung übernehmen und Situationen unter Kontrolle behalten, erst recht bei Welpen!

Hier findest du Infos über die Entwicklungsphasen von Welpen und die entsprechenden Erziehungs-Potentiale!

 

Kennst du auch solche veralteten Hundetrainersprüche? Wir würden uns freuen, wenn du sie mit uns teilst!

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