Hat dein Hund Angst zu Silvester?

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Alle Jahre wieder folgt nach den ruhigen, besinnlichen Weihnachtstagen der große Kanonenschlag. Ganz wörtlich: Zu Silvester werden große und kleine Böller, Heuler und vielfarbig leuchtendes Feuerwerk ausgepackt. Das macht manche Hunde zum Nervenbündel. Gassigehen ist fast unmöglich. Das kannst du dagegen tun!

Warum haben Hunde Silvester Angst?

Silvester ist es laut. Ständig gibt es Geräusche, die sonst nie vorkommen. Bei einem einzigen Knall wäre dein Hund vielleicht kurz irritiert oder springt auf, um nachzusehen. Am letzten Tag des Jahres knallt es jedoch andauernd und dein Hund findet keine Ruhe.

Der Lärm ist aber nicht das Einzige, was unsere Hunde aufwühlt: Auch der Geruch ist ungewöhnlich und lästig. Erinnere dich einmal daran, wie es kurz nach Mitternacht auf den Straßen riecht: Schwefel und Schwarzpulver. Und unsere Hunde riechen, wie wir wissen, sehr viel besser als wir Menschen. Neben dem Lärm werden sie am Jahresende also auch mit einem extremen Angriff auf ihre Nasen belästigt.

Neben Hören und Riechen wird noch ein dritter Sinn angesprochen: das Sehen. Viele Feuerwerkskörper verursachen kurze Blitze und plötzliche Lichtreflexe. Vermutlich ist es die Kombination aus den drei angesprochenen Sinnen, die auch Hunde in Panik versetzt, die sonst stoisch das schwerste Gewitter beobachten. Und für Hunde, die schon bei Gewitter schon mit starker Angst zu kämpfen haben, ist Silvester ein umso schrecklicheres Erlebnis.

Hintergrund: Geräusch-Phobie

Grundsätzlich sind Hunde in der Lage, Knaller und laute Geräusche zu ertragen. Immerhin gibt es Jagdhunde, bei denen es nicht gerade hilfreich wäre, wenn sie beim ersten Schuss das Weite suchen.

Einige Geräusch-Phobien (sei es gegenüber Gewittern oder der Silvester-Knallerei) sind genetisch bedingt. Besonders betroffen sind Collies und einzelne Zuchtlinien anderer Rassen.

Die Angst kann aber auch durch fehlende Gewöhnung an Geräusche kommen, oder durch die Verknüpfung von bestimmten Geräuschen mit unschönen Erlebnissen.e.

Da Silvester für viele Hunde absoluten Stress bedeutet, haben wir hier einige Tipps gesammelt, um die Angst vorm Silvesterlärm etwas zu lindern.

Rechtzeitig vorbereiten!

Beginne nicht erst am Silvesterabend, deinen Hund auf den Geräuschpegel des Feuerwerks vorzubereiten. Eine Möglichkeit wäre die Desensibilisierung: Es gibt CDs mit Raketen- und Böller-Tönen, die man seinem Hund regelmäßig nebenbei kurz vorspielen kann. Das hilft deinem Hund, die Geräusche als normal wahrzunehmen.

Plane voraus: Gassigehen in ruhigen Momenten

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Hast du feste Gassi-Zeiten? Diese solltest du zu Silvester besser variieren. In der Regel ist Knallerei ab 18.00h erlaubt – aber auch vorher fliegen schon einige Knaller. Hilfreich ist es dennoch, schon recht früh Gassi zu gehen, wenn alles noch „normal“ ist. Gleichzeitig kannst du so die Helligkeit nutzen, da viele Hunde in der Dunkelheit schreckhafter und wachsamer sind.

Am Abend solltest du horchen, wann es mal wieder ruhiger geworden ist und diese kurzen Perioden für euren Spaziergang nutzen. Und wichtig: gerade zu Silvester gehört auch ein folgsamer Hund an die Leine! Er könnte sich einfach zu leicht erschrecken, wenn in seiner Nähe ein Knaller explodiert oder ein Heuler vorbeisaust – und dann rennt er davon.

Halte eure Gassirunden zu Silvester möglichst klein. So kannst du mit deinem Hund schnell in die sichere, heimische Wohnung zurück. Auch dein offenes Auto kann als schneller Fluchtort dienen.

Nie allein lassen – aber nicht überbeschützen

Hat dein Hund Angst und ist unruhig, ist es gut, ihn nicht unnötig lang allein zu lassen. Sei bei ihm und sorge für Routine. Allerdings wäre es auch ein Fehler, deinen Hund zu sehr zu bemitleiden und zu beschützen. Nimmst du ihn andauernd in den Arm, kann er den Eindruck bekommen, dass dieser Schutz notwendig ist. Du verstärkst also ungewollt noch seine Angst; Ziel sollte es vielmehr sein, deinem Hund die Angst so weit wie möglich zu nehmen.

Gib deinem Hund Zuwendung und lass ihn deine Nähe suchen – versuche aber, keinen absoluten Ausnahmezustand aus der Situation zu machen. Sei ruhig und souverän und verhalte dich normal.

Rückzugsmöglichkeit, Abschottung

Zudem kannst du selbst einiges tun, um die Geräusche abzumildern indem du Fenster und Türen geschlossen lässt. Die Fenster kannst du zusätzlich abdunkeln – so kommen keine Lichtblitze von Fontänen oder Raketen ins Innere.

Du kannst auch Radio oder Fernseher laufenlassen. Das sorgt für einen Grundpegel an Geräuschen in der Wohnung und dämpft so indirekt den Lärm von draußen: Wenn es sowieso schon laut ist, fällt ein Knall nicht mehr so sehr ins Gewicht. Das kannst du auch mit dem Licht machen: Sind alle Lampen im Haus an, fallen einzelne Lichtblitze von draußen weniger auf.

Hat dein Hund einen Ort, an den er sich gerne zurückzieht? Dann halte ihn diesen Ort immer offen. Viele Hunde schätzen einen abgedunkelten Bereich. Manche Vierbeiner wickeln sich auch gerne in einige Decken ein. Eine Kuschelhöhle für Hunde selbst zu bauen ist ganz einfach. Wenn du einen Keller hast, in den dein Hund auch geht, ist das der ideale Ort, sich von der Welt abzuschotten.

Ablenkung: Spiele und Leckerli

Wenn du deinem Hund Leckerlis gibst, wird er kurzzeitig von seiner Angst abgelenkt! Mit Glück verbindet er das beängstigende Geräusch gleich mit dem positiven Erlebnis der Futter-Belohnung. Fahre hier ruhig die „schweren Geschütze“ in Form von ganz besonderen Leckerlis auf. Gib ihm aber nichts, was er vielleicht nicht vertragen könnte, denn Durchfall an Silvester wäre natürlich ungünstig.

Noch besser ist es, wenn du einige Spiele mit ihm spielst. Besonders Denkspiele sind geeignet, Angst vergessen zu lassen. Konzentriert sich dein Hund darauf, ein verstecktes Leckerli zu finden, vergisst er das Rämmidämmi draußen. Denkspiele bauen zusätzlich auch aufgestauten Stress ab.

Direktmaßnahmen

Pillen gegen Angst?Natürlich gibt es auch einige direktere Möglichkeiten. Dein Tierarzt könnte deinem Hund ein Beruhigungs- oder Betäubungsmittel geben. Die meisten Tierärzte raten allerdings davon ab. Es kann passieren, dass dein Hund nur bewegungsunfähig wird, aber alles hört und mitbekommt. Das hilft nicht wirklich und die noch größere Panik beim nächsten Krach ist verständlich.

Besser ist D. A. P. – das steht für Dog Appeasing Pheromon und ist das Beruhigungspheromon der Hündin. Üblicherweise wird es 3-5 Tage nach der Geburt von Welpen gebildet und beruhigt diese. Das wirkt auch beim erwachsenen Hund und ist inzwischen in künstlicher Form als Zerstäuber oder Stecker erhältlich. Das solltest du aber vorher ausprobieren, denn manchen Hunden ist der Geruch egal, einige vermeiden den Geruch sogar. (Daher solltest du kein Halsband verwenden!)

Auch Eierlikör kann helfen. Ja, hier geht es mehr um den Alkohol – Eierlikör schmeckt den meisten Vierbeinern gut. Natürlich solltest du deinen Hund nicht betrunken machen! Ein bis zwei Esslöffel für einen 30-Kilo-Hund sind vollkommen ausreichend, frage aber sicherheitshalber vorher deinen Tierarzt. Bachblüten sind eine nicht-alkoholische, homöopathische Alternative.

Auch Druck auf den Hundekörper soll helfen, die richtige Massagetechnik erfordert jedoch einen guten Lehrer. Dafür soll sie auch außerhalb von Angstzuständen die Selbstheilungskräfte des Hundes aktivieren. Einfacher ist das Thundershirt, eine Weste für Hunde. Durch Kompression, also Druck auf den Hundekörper, soll sie eine beruhigende Wirkung entfalten. Aber auch hier gilt: Entscheidend ist, wie der jeweilige Hund darauf reagiert. Überfordere deinen Hund in dieser aufwühlenden Zeit nicht mit Experimenten, sondern probiere dies rechtzeitig vorher aus.

Wenn alles nichts hilft: Flucht

Hilft das alles nichts und kannst du aufs Anstoßen im Wohnzimmer verzichten? Dann bleibt euch immer noch die „Flucht“. Vielleicht macht ihr Neujahrsurlaub in einem abgelegenen Gebiet, in dem keiner unterwegs ist. Auf einigen Nordseeinseln wie Sylt und in manchen Städten wie Goslar herrscht zudem Feuerwerksverbot.

Für spontane Flüchtlinge zur Mitternacht gibt es noch einen Geheimtopp: Rein ins Auto – und ab auf die Autobahn! Denn um diese Zeit ist dort kaum jemand dort und ein Rastplatz zählt mit zu den ruhigsten Orten im Land. Vielleicht geht ja auch eine gemütliche Spielrunde mit einigen Hundefreunden – und menschliches Anstoßen ganz ohne Krach!

Eine weitere Möglichkeit ist, die frühen Morgenstunden zum Gassigehen zu nutzen, wenn es wieder hell ist und noch fast alle Menschen schlafen. So hat man die Chance einige ruhige Minuten zu erwischen.

Einen Merkzettel zu Silvesterangst bei Hunden hat auch die Universität München herausgegeben: https://www.tierhyg.vetmed.uni-muenchen.de/download/silvesterangst.pdf

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