Eifersucht: Auch bei Hunden(?)

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Zwei Hunde: Spiel oder Rivalität?
Spiel oder Kampf? Streiten sich zwei Hunde, bevorzuge nicht den "Schwächeren"!

Wenn der Hund der beste Freund des Menschen ist, dann möchte er auch so behandelt werden. Das gilt auch für Gefühlsregungen: Auch Hunde haben komplexe Emotionen. Eine Studie von zwei kalifornischen Wissenschaftlerinnen belegt nun, was eigentlich jeder Hundehalter schon einmal bemerkt hat: Auch Hunde können eifersüchtig werden und dies durch auffälliges oder aggressives Verhalten zeigen!

Studie: Der ausgestopfte Rivale

Dass Eifersucht nicht unbedingt ein rationales Verhalten ist, kennt man aus zwischenmenschlichen Beziehungen. In der Studie von Christine Harris und Caroline Prouvost von der Universität San Diego hätten die Hunde keinen Grund zur Eifersucht gehabt: Ihr Rivale war nur eine Attrappe, ein ausgestopfter Hund. Aber mit dem Schwanz wedeln, bellen und jaulen konnte der falsche Hund auf Knopfdruck.

Die im Fachmagazin Plos One veröffentlichte Studie fand heraus, dass Hunde Zeichen von Eifersucht zeigten, wenn sich ihr Herrchen oder Frauchen dieser Attrappe zuwandte. Sie stupsten ihre Bezugsperson an oder versuchten, sich zwischen diese und den falschen Hund zu drängen. Ein Viertel der Hunde schnappte sogar nach dem ausgestopften Hund.

In den Vergleichsgruppen mit einem Eimer oder einem melodiespielenden Buch statt der Hundeattrappe zeigten die Vierbeiner diese Reaktionen viel seltener. Die Forscherinnen schlossen daraus, dass Hunde leiden, wenn ein anderer Hund bevorzugt wird. (Zur Studie Jealousy in Dogs)

Was bedeutet Eifersucht?

Lange hieß es, dass nur Menschen eifersüchtig sein können: Die Gefühlsregung sei ein menschliches, soziales Konstrukt. Tiere seien zu einer solch komplexen Gefühlsregung nicht in der Lage. Klassisch definiert man Eifersucht als eine Gefühlsmischung: Der Eifersüchtige sucht Liebe und Bestätigung bei einer Person und hat sie bereits erfahren. Diese Person wendet sich nun einem anderen zu – es entsteht Verlustangst und ein negatives Gefühl gegenüber der dritten Person.

Die beiden Forscherinnen kamen jedoch zu dem Schluss, dass Eifersucht viel grundlegender ist als angenommen. Sie sprechen von einer primordial jealousy, also einer ursprünglichen, primitiven Eifersucht. Denn die Hunde gingen sogar Baby gibt Hundeknochen an einen von zwei Hunden.aktiv zwischen ihre Besitzer und ihren Plüsch-Rivalen. Die komplexen Gefühlsregungen wie beim Menschen mit widersprüchlichen Gedanken dürften bei Hunden jedoch fehlen.

Wie entsteht Eifersucht?

Eifersucht entsteht, wenn etwas weggenommen wird oder jemand anders etwas bekommt, das man selbst gern hätte. Für deinen Hund heißt das, dass er sich in seiner Position bedrängt fühlt. Etwas, das vorher er bekam, bekommt nun ein anderer, sei es Futter, Spielzeug oder Aufmerksamkeit. Die häufigsten Konkurrenten sind:

  • ein anderer Hund
  • ein neues Familienmitglied/ein neuer Partner

 

Bei einem anderen Hund kann es sich um eine Zufallsbegegnung auf dem Spaziergang handeln, vielleicht um den Hund eines Bekannten. Das löst sich meist schnell. Problematischer ist es, wenn ein neuer Hund ins eigene Heim einzieht. Plötzlich ist nicht mehr alles Futter für den „alten“ Hund, nun hat er einen Konkurrenten. (Völlig egal, dass genug für alle da ist!)

Auch die Situation mit dem eigenen Nachwuchs ist eine klassische Situation: Zwar fehlt dem Hund kein Futter, aber er erhält weniger Aufmerksamkeit. Dasselbe kann eintreten, wenn ein neuer Partner ins Leben tritt und das bisherige Leben im kleinen “Rudel” neu strukturiert wird. Futterneid kann daher auch als Form der Eifersucht bezeichnet werden, denn es liegt ein Kampf um Ressourcen zugrunde.

Ein eifersüchtiger Hund: was nun?

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Meist gibt es ein Problem, wenn du mehrere Hunde hältst und diese zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu dir kommen. Von dieser Grundsituation gehen wir daher aus. Glücklicherweise sind Hunde Rudeltiere. Sie sind von Natur aus soziale Wesen, die gut miteinander auskommen.Von den bisherigen Rudeltheorien, die einen ständigen Kampf um die Vorherrschaft beschreiben, wird in der modernen Forschung immer mehr abgerückt: Freilebende Wölfe leben in einem sozialen Familienverband. Konkurrenz gibt es vor allem nach außen, aber kaum intern (das Märchen der „ständigen Rangordnungskämpfe“ ist veraltet).

Da Wesen und Charakter auch bei Hunde individuell sind, kann es im (neu entstehenden) Rudel durchaus verschiedene Rollen geben und ein Hund der “Anführer” sein. Es kann ganz harmonisch ablaufen, wenn ein unsicherer Hund auf einen souveränen Hundefreund trifft, der ihm Orientierung gibt. Aber natürlich kann auch unter temperamentvollen Hunden ein Kräftemessen auftreten. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Einmischung hilft nicht immer

Das Schlagwort ist hier: Unter sich. Du solltest dich nicht einmischen; die Hunde müssen das unter sich klären! Es ist durchaus üblich, dass ein Hund Vorrang hat oder der schnellere ist, und der andere ihm den Vortritt lässt. Das bedeutet nicht, dass der „schwächere“ Hund leidet. Lass deine Hunde sich einspielen und sorge für Entspannung, z. B. durch räumliche Trennung der Futternäpfe.

Auch wenn es mal zu Zickereien kommt: In der Regel gewöhnen sich Hunde schnell aneinander und anfängliche Verunsicherungen geben sich. Bleib klar und bestimmt und verhalte dich souverän. Ist ein Hund zu dominant, sorge für eine Auszeit, aber bemuttere nicht den „Unterlegenen“.

Oft hilft auch Ignorieren: Beende eine strittige Situation sofort und unterbrich damit die Dynamik. Geh dann zur Tagesordnung über. Hunde diskutieren nicht wie Menschen etwas aus, deswegen hilft ein kurzes, klares Kommando oft am meisten.

Rangordnung dezent stützen

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Spiel oder Kampf? Streiten sich zwei Hunde, bevorzuge nicht den „Schwächeren“!

Um ernste Streiterein gar nicht erst entstehen zu lassen, solltest du deine Hunde genau kennenlernen und kritische Situationen vermeiden. Oft erkennst du an Kleinigkeiten, ob ein Hund eifersüchtig wird. Solange das Rudelgefüge, also ein harmonisches Miteinander, noch nicht klar ist, solltest du dafür sorgen, dass die Hunde nicht in Streit um ein besonders faszinierendes Spielzeug oder einen leckeren Snack geraten.

Mit einem scharfen Blick für die Signale der Hunde kannst du ihre Wesenszüge erkennen: Geht ein Hund immer voran und blickt länger auf dich oder den anderen Hund? Geht der andere ohne zu murren hinterher? Oder gehen beide gemeinsam oder unabhängig sicher ihrer Wege? Dann haben die beiden sich eingespielt und einander akzeptiert.

Auch wenn einer der “Stärkere” ist: Gehe nicht dagegen an, sondern bestätige sie. Gib erst dem vorangehenden Hund sein Futter, dann dem zweiten. Dabei sollst du nicht lange Warten, ein Abstellen des Napfes in normalem Tempo reicht und schon zeigst du deinen Hunden, dass du ihre Reihenfolge anerkennst.

Eifersucht aufs Kind

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Kommt ein neugeborenes Kind ins Haus, muss der Hund zurückstecken. Ein Patentrezept, um Eifersucht zu vermeiden, gibt es leider nicht. Viele Hunde nehmen das Ganze auch gelassen und akzeptieren das Baby direkt als neues Rudelmitglied.

Das Wichtigste: Hund und Kind sollten nie allein bleiben! Der Hund sieht ein Baby vielleicht anfangs nicht als Familienmitglied, sondern als Konkurrenten oder Bedrohung. Er muss sich erst daran gewöhnen, dass dieser kleine Mensch sich noch ganz anders verhält als die großen Menschen, deren Verhalten er besser einschätzen kann.

Mach dir auch klar: Ein Baby im Haushalt ist für den vorhandenen Hund eine riesige Umstellung: neue Geräusche, Gerüche – und dann schenken Herrchen und Frauchen auch noch jemand anderem ihre Aufmerksamkeit!

Dein Ziel sollte hier sein, deinen Hund erkennen zu lassen, dass das Baby ihn nicht von seinem Platz verdrängt. Sorge für schöne Erlebnisse gemeinsam mit Hund und Kind: Spaziergänge, gemeinsames Spielen und Kuscheln, entspannte Tage. Lass ihn in Anwesenheit des Kindes fressen. Kurz: Signalisiere ihm, dass das Baby keine Konkurrenz ist. Das ist zu Anfang schwer, denn lange bleibt dein Baby schutzbedürftig und natürlich steht es für dich an erster Stelle. Versuche dennoch, es für den Hund nicht so wirken zu lassen als würdest du grundlos nicht mehr mit ihm kuscheln, sondern mit „dem Neuen da“.

Wird dein Kind älter und beginnt umherzukrabbeln und zu laufen, musst du auch deinen Hund schützen: Kneifen, Piken und in die Ecke drängen lassen auch friedliche Hunde aus Angst zubeißen. Trenne die beiden zur Sicherheit und sorge dafür, dass sich dein Hund jederzeit zurückziehen kann. Wird dein Kind älter, solltest du ihm frühzeitig die Regeln für Kinder und Hunde beibringen.

Gelingt dir dies, ist Eifersucht kein Thema und die beiden werden exzellente Spielkameraden füreinander.

Fazit: Lösung durch Klarheit

Hunde sind in ihrem Verhalten und Empfinden ähnlich wie Menschen differenzierte Wesen. Wie beim Menschen sind die Ursachen für Frustration und Eifersucht oft Missverständnisse, Unsicherheit oder falsche Kommunikation.

Deswegen beobachte nicht nur deinen Hund, sondern auch dich, wenn solche Probleme auftreten. Versuche, deinem Hund Sicherheit zu geben, indem du Klarheit schaffst. Willst du ein Verhalten abstellen, zeige ihm Alternativen und sorge dafür, dass er weiß woran er ist. Gib ihm je nach Situation Gelegenheit, sich zu entfalten, oder stelle verständliche Grenzen auf.

Hunde brauchen Orientierung. Versuche, dich in deinen Hund hineinzuversetzen, um sein Verhalten zu verstehen, und gib ihm klare Regeln. Weiß der Hund, wo sein Platz ist und wo seine Grenzen, kann er sich entspannen und braucht weder Verlustangst noch Höhenflüge zu haben. Im Zweifelsfall ziehe einen Hundetrainer zu Hilfe, bevor sich Disharmonien einschleifen und am Ende alle überfordert sind.

Und nicht verzweifeln: Es gibt durchaus Rassen und Hundecharaktere, die sehr emotional und rastlos sein können, während andere ganz genügsam jeden Zustand ertragen. Beiden Extremen sollte man versuchen, liebevoll aber konsequent gerecht zu werden.

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1 KOMMENTAR

  1. Dieser Artikel klärt einiges auf. Auch sehr verständlich. Leider vermisse ich einen Abschnitt über: Was machen, wenn ein Hund schon voll in der Eifersucht ist und wie man es wieder korrigieren kann?

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