Gegenkonditionierung in der Hundeerziehung

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Gegenkonditionierung für Hunde

Die Gegenkonditionierung ist eine Methode in der Hundeerziehung. Sie beruht auf derselben Grundlage wie die klassische Konditionierung und wird in der Verhaltenstherapie gezielt eingesetzt.

Ausgangslage ist, dass dein Hund bereits auf einen speziellen Auslöser oder eine bestimmte Situation hin eine spezifische Verhaltensreaktion zeigt. Ist dieses Verhalten unerwünscht, wird mit der Gegenkonditionierung versucht, es in ein anderes, positiv besetztes Verhalten umzuändern.

Wie funktioniert die Gegenkonditionierung?

Hunde lernen unter anderem über die sogenannte klassische Konditionierung, einem Prinzip aus der Psychologie. Dabei wird ein bestimmter, bisher neutraler Reiz (Trigger) mit einem Ereignis in Verbindung gebracht. In Erwartung dieses Ereignisses reagiert der Hund bereits auf den vorgelagerten Reiz mit einem bestimmten Verhaltensmuster.

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Ein typisches Beispiel für die klassische Konditionierung ist der Versuch des russischen Physiologen Iwan Pawlow. Sein Pawlowscher Hund bekam immer bei der Fütterung den Ton eines Glöckchens zu hören. Innerhalb kurzer Zeit lernte er, den Ton des Glöckchens unmittelbar mit der Fütterung zu verknüpfen. Er zeigte bereits vermehrte Speichelbildung, wenn nur das Glöckchen ertönte und noch gar kein Futter im Raum war.

Die Gegenkonditionierung beruht auf demselben Prinzip. Hier wird jedoch eine Reiz-Reaktions-Kette unterbrochen und der Reiz mit einer neuen, positiv besetzten Reaktion verknüpft. Das heißt, dein Hund zeigt bereits ein negatives Verhalten. Zum Beispiel könnte er bei Pawlows Glöckchen (der Reiz) in freudiger Erwartung wild durch die Wohnung rennen (die Reaktion). Dieses negative (unerwünschte) Verhalten wird dabei nicht bestätigt. Stattdessen wird ein anderes, positives (erwünschtes) Verhalten intensiv belohnt und dadurch gefestigt.

Eine verwandte Methode ist die systematische Desensibilisierung. Sie wird hauptsächlich bei starken Angstreizen eingesetzt. Bei ihr wird der Hund immer wieder mit dem Objekt der Angst konfrontiert, ohne dass etwas passiert. So schwächt sich die Angst nach und nach ab. Typisch für den Einsatz der Desensibilisierung sind Angst vor Gewitterdonnern, Angst vor Knallern oder Angst vor einem anderen spezifischen Geräusch.

Die Gegenkonditionierung hingegen schwächt den Angstreiz nicht nur ab. Sie setzt zusätzlich einen neuen Reiz mit einer positiven Verknüpfung an seine Stelle, zum Beispiel durch ein Leckerli.

Was musst du bei der Gegenkonditionierung beachten?

Dein Hund soll keinen negativen Stress erleben, sondern durch positive Verstärkung lernen. Dazu wird meist mit einer Belohnung in Form von Futter gearbeitet. Bewährt hat sich der Einsatz besonderer Leckerlis wie Käsestückchen oder Schinkenwürfeln. Die Aussicht auf das Leckerli motiviert deinen Hund und hilft ihm, das von dir gewünschte Verhalten besser zu verinnerlichen.

Wichtig ist das exakte Timing der Belohnung: Sie darf weder zu früh noch zu spät erfolgen, da sie dein Hund sonst nicht mit seinem aktuellen Verhalten in Verbindung bringen kann.

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Gegenkonditionierung am Beispiel „Angst vorm schwarzen Hund“

Das Erlebnis und die erlernte Reaktion

Dein Hund hatte einmal ein negatives Erlebnis mit einem schwarzen Hund. Er wurde von ihm bedrängt. Nehmen wir an, er wurde sogar von ihm verletzt. Möglicherweise meidet er von nun an alle fremden schwarzen Hunde und zeigt bei ihrem Anblick deutliche Stresssymptome.

Er hat also gelernt, den Reiz „schwarzer Hund“ mit unangenehmen Dingen wie Angst oder Schmerzen zu verknüpfen. In der Folge reicht ihm bereits der Reiz, um in Erwartung der unangenehmen Folgen eine entsprechende Reaktion (Meideverhalten) zu zeigen.

Du als Besitzer hast wiederum gelernt, dass dein Hund beim Anblick eines schwarzen Artgenossen panisch reagiert. Womöglich versuchst du, ihn zu beschützen und verstärkst durch deine gut gemeinte Reaktion seine Angst zusätzlich.

Dein Hund denkt dann in etwa: „Oh je, ein schwarzer Hund! Gleich wird es wieder unangenehm für mich werden. Mein Besitzer ist auch schon ganz aufgeregt, also ist meine Reaktion richtig“.

So wendest du die Gegenkonditionierung an

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, wendest du die Gegenkonditionierung an. Gehe dabei immer in kleinen Schritten vor und überfordere deinen Hund nicht.

Schritt 1: Keine Angst mit großem Abstand

Zeige deinem Hund zunächst aus sehr sicherer Entfernung mehrere schwarze Hunde. Wichtig: Sie sollten sich immer in großem Abstand zu deinem Hund befinden und sich ihm auf keinen Fall nähern. Gut ist zu Beginn ein Hund, der angeleint am anderen Ende der Wiese geht. Bleibt dein Hund ruhig und sieht in die Richtung des schwarzen Hundes, lobe ihn sofort überschwänglich und breche die Situation ab.

Laufe einfach in eine andere Richtung oder lenke ihn durch ein Spiel ab. Beachte: Setze die Belohnung genau zum richtigen Zeitpunkt ein! Keinesfalls darf das Kehrtmachen einer Flucht gleichen. Sie muss neutral besetzt sein.

Bleibe bewusst locker und versuche, dich nicht zu verkrampfen. Ziel dieses Schrittes ist es, die Verknüpfung „schwarzer Hund = Gefahr“ zu ersetzen durch die Verknüpfung „schwarzer Hund = gar nicht schlimm + Leckerli“.

Schritt 2: Abstand reduzieren

Als nächsten Schritt kannst du versuchen, deinen Hund näher an einen schwarzen Hund zu bringen. Wie bisher gilt auch jetzt: Keinesfalls sollte der andere Hund deinem näher kommen als du es für den Trainingsschritt möchtest.

Wahrscheinlich spannt sich dein Hund bei dem geringeren Abstand bereits an. Lenke ihn daher bewusst immer wieder ab, indem du ihn etwa bei Fuß laufen lässt oder ihn absitzen lässt.

Klappen diese Übungen mit dem schwarzen Hund in der Nähe gut und sieht dein Hund nur hin und wieder hinüber ohne sich aufzuregen, belohne ihn immer wieder mit besonderen Leckerlis. Ziel dieses Schrittes ist es, ein normales Verhalten auszuüben, obwohl die „Bedrohung“ in der Nähe vorhanden ist.

Schritt 3: Distanzabbau

Versuche nun in kleinen Schritten, immer mehr Distanz abzubauen.

Eine Möglichkeit: Führe deinen Hund angeleint im Abstand von etwa 3 Metern an einem freundlichen, gut erzogenen, ebenfalls angeleinten schwarzen Hund zügig vorbei.

Im Idealfall geht dieser bei Fuß bzw. wird von seinem Besitzer abgelenkt, so dass er sich gar nicht für deinen Hund interessiert. Achte darauf, dass dein Hund den anderen zwar registriert, sich aber mehr an dir orientiert, weil du eine leckere Belohnung hast. Diese bekommt er, sobald ihr den schwarzen Hund möglichst unaufgeregt passiert habt.

Schritt 4: Direkter Kontakt

Im Lauf der Zeit kannst du damit beginnen, mit bestimmten schwarzen Hunden intensiver zu arbeiten. Ein kleines, sehr gut sozialisiertes, freundliches Exemplar ist für den ersten Schritt am besten geeignet.

Dein Hund sollte ihn durch mehrmaliges Vorbeilaufen bei angemessenem Abstand bereits etwas „kennengelernt“ haben. Wichtig ist eine sichere, ungestörte Umgebung, in der ausreichend Platz zum Ausweichen vorhanden ist.

Nun könnt ihr beide Hunde ableinen. Lenkt der Besitzer des schwarzen Hundes ihn ab, konzentriert sich dieser zunächst auf seinen Menschen. Er zeigt wenig Interesse für deinen Hund; der unmittelbare Kontakt wird verlangsamt. Danach dürfen die Hunde zueinander, sich beschnuppern und spielen.

Du selbst solltest dabei locker und entspannt bleiben. Bleibe aber nicht wie angewurzelt stehen! Das würde dein Hund als Angststarre fehldeuten und wieder in Angst und Stress verfallen. Gehe stattdessen ein paar Schritte hierhin und dorthin. Natürlich ohne dabei deinen Hund aus den Augen zu verlieren.

Halte die Kontaktzeit zunächst kurz und lobe deinen Hund währenddessen immer wieder (diesmal verbal).

Schritt 5: Wer hat Angst vorm schwarzen Hund? Niemand!

Führst du dieses Training konsequent fort zeigt er schließlich auch fremden schwarzen Hunden gegenüber keine Angst mehr. Mache dabei keine großen Sprünge, sondern steigere die Anforderungen an deinen Hund Schritt für Schritt. Die prompte Belohnung des gewünschten Verhaltens ist während der gesamten Gegenkonditionierungsmaßnahme enorm wichtig. Bei Erfolg der Methode kannst du sie sehr langsam und schrittweise reduzieren.

Manchmal kann es sinnvoll sein, die Belohnung dauerhaft beizubehalten, dann solltest du sie aber nicht jedes Mal und nicht zu umfangreich einsetzen.

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4 KOMMENTARE

  1. Hallo,
    Gegenkonditionierung ist aber Klassische Konditionierung. Eine Reiz-Reaktions-Kette die mit dem Limbischen System arbeitet und immer mit Futter belohnt werden sollte.Man ändert Gefühle nicht das Verhalten. Das Verhalten ist nebensächlich, da die Veränderung der Emotion zu einem verbesserten Verhalten führen kann.
    LG Cathi

  2. Auch dieser Artikel wurde nun mit einem ausführlichen Beispiel aktualisiert. Und ja: Natürlich ist die Gegenkonditionierung eine Methode, die aus den Prinzipien der klassischen Konditionierung hervorging.

    MfG
    Nico von hudoba

  3. Eine schöne Schritt-für-Schritt-Anleitung. Gut nachvollziehbar und ich denke auch gut umsetzbar.
    Ich habe zum Glück wirklich nur eines, wo ich denke: „maaaaaan, wie bekomme ich dieses Thema nur endlich mal so in den Griff, dass es echt keine Rolle mehr spielt“.
    Meine Kleine hat ne unangenehme Erfahrung mit einer Katze gemacht – die Katze hat den Vorfall nicht überlebt und die Kleine war völlig zerkratzt. Sie wurde damals von der Katze attackiert. Wenn sie nun eine Katze sieht, startet sie durch, ist wie paralysiert, quietscht rum und will sich die Katze packen! Sie ist zwar abrufbar und folgt dem Kommando „zu mir“, doch das nicht sauber. Normal ist „zu mir“ mit Vorsitz und Blick auf mich gerichtet. In der Situation schafft sie es nur neben mein Bein zu kommen, jankend mit voller Aufmerksamkeit voll weiterhin auf der Katze unter voller Anspannung. Ein „Platz“ wird dann zwar ausgeführt aber ich bekomme ihren Blick auf’s Verrecken nicht zu mir, selbst ne Bestätigung mit ihrer Beisswurst … wird schleppend angenommen.
    Ich wünschte mir, sie würde auf Katzen gar nicht erst reagieren. Selbst die Annahme in weiter Ferne ist ne Katze lässt sie durchknallen.
    So und nun: Schritt-für-Schritt-Antikatzentraining, bitte :0)

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