Verhaltensprobleme durch Hundefutter?!

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Manche Leckerlis können zu Verhaltensproblemen führen.

Hundeerziehung ist nicht einfach. Viele Hundehalter haben Probleme, gehen in die Hundeschule, lesen unzählige Ratgeber und investieren ein kleines Vermögen, um den Ursachen für die Verhaltensauffälligkeiten ihres Hundes auf die Spur zu kommen. Oft wird dabei eine Komponente übersehen, die durchaus etwas mit dem Verhalten zu tun haben kann: das Hundefutter. Bestimmte Stoffe können das Gleichgewicht im Stoffwechsel stören und Hormone oder Botenstoffe im Gehirn beeinflussen und Verhaltensauffälligkeiten hervorrufen.

Hund ist was er isst

Gibt es Probleme, die nicht durch Erziehung zu beheben oder verhaltenspsychologisch zu erklären sind, lohnt in vielen Fall ein Blick in den Hundenapf. Denn es gibt viele Stoffe, die den Organismus des Hundes beeinflussen – wie beim Menschen. Das schlägt sich einerseits gesundheitlich nieder: Um zu funktionieren, braucht der Körper bestimmte Nährstoffe. Aber es äußert sich auch mental und seelisch und beeinflusst das Verhalten und Befinden. Und auch Futtermittelallergien bei Hunden nehmen immer mehr zu!

Zahlreiche Studien belegen, dass sich die Zusammensetzung des Hundefutters direkt auf das Verhalten des Hundes auswirken kann. Welche Probleme können also auftreten und welche Zusammenhänge gibt es?

Minderwertiges Futter: Stress durch Mangel

Minderwertiges Futter hat meist mehrere Schwachstellen gleichzeitig. Ihm fehlen für den Hund wichtige Bestandteile. Kurzfristig ist so etwas ohne Probleme zu verschmerzen. Langfristig führt es hingegen zu einer Mangelernährung des Hundes. Dies versetzt den Körper des Tieres in einen permanenten Stresszustand. Die sichtbare Reaktion sind verschiedene physische Auffälligkeiten: Unruhe oder Abgeschlagenheit, Aggressivität.

Viele Futter sind außerdem mit chemischen Stoffen zusätzlich gestreckt. Konservierungsmittel und Farbstoffe findest du in den meisten Futtersorten aus dem Supermarktregal. Auch ein Hundeorganismus kann darauf negativ ansprechen.

Aminosäuren: Hormonprobleme

Die zugeführte Nahrung ist maßgeblich für die Steuerung der Hormonausschüttung im Körper verantwortlich. Verschiedene Aminosäuren, die dein Hund über die Nahrung aufnimmt, regeln die Produktion von Hormonen und damit auch sein Verhalten.

Mais, Weizen und Soja sind beispielsweise gern verwendete Streckungsmittel im Fertigfutter. Sie führen aufgrund der hohen Konzentration der Aminosäure Tyrosin zu einer Senkung des Serotoninspiegels. Das Hormon Serotonin wiederum ist für den allgemeinen Gemütszustand deines Hundes verantwortlich. Vielleicht kennst du es als „Glückshormon“. Sein Fehlen wird mit Depression in Verbindung gebracht.

Leidet der Hund nun unter einem Mangel an diesem Botenstoff, kann es zu einer deutlichen Verhaltensauffälligkeit kommen. Häufige Folgen eines Serotoninmangels sind:

  • Aggressives und unsoziales Auftreten
  • Konzentrationsschwächen
  • Hyperaktivität
  • Überreaktionen
  • Schmerzempfindlichkeit

Dem kannst du nicht einfach begegnen, indem du Serotonin in anderer Form zuführst. Auch ein Überschuss ist gefährlich und führt neben körperlichen Auswirkungen zu Unruhe und Angstzuständen.

Proteine: Hyperaktivität

Auch der Proteingehalt des Futters kann sich auf das Verhalten auswirken. Eiweiße sind ein essenzieller Baustein für den Erhalt der Muskeln und der Körpersubstanz. Deshalb muss vor allem bei Welpen und sehr aktiven Hunden (z. B. Hütehunde) auf eine ausreichende Zufuhr geachtet werden. Dem „normalen“ Hund hingegen wird oftmals eine zu eiweißreiche Nahrung gegeben.

Du solltest immer das Verhältnis von Proteinen zu Kohlenhydraten im Blick haben. Denn eine zu hohe Eiweißzufuhr ist ein nachgewiesener Faktor für Aggression und Hyperaktivität.

Was tun bei Verhaltensproblemen?

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Du siehst also: Nicht immer liegt ungewünschtes Verhalten eines Hundes an schlechter oder falscher Erziehung. Manchmal ist das Futter schuld oder genauer gesagt: einzelne Bestandteile des Futters. Was kannst du in diesem Fall tun? Die Antwort ist im Grunde recht simpel: Vermeide die Nahrungsmittel, die das Verhalten verursachen.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn nur selten kannst du von einem Verhalten direkt auf den Auslöser schließen. Hast du jedoch den Verdacht, dass dein Hund wegen seines Futters durchdreht, bietet sich die gleiche Methode an wie bei Allergien: eine Eliminationsdiät. Hierbei beginnst du bei „ungefährlichen“ Futterbestandteilen und fügst nach und nach weitere hinzu. So siehst du, welcher Stoff das Problemverhalten auslöst, und kannst eine Alternative suchen.

Das richtige Futter auswählen

Die meisten Hundehalter tun sich bei der Wahl des Hundefutters schwer. Das Überangebot an Herstellern und Sorten macht es einem schwer den Überblick zu behalten. Die preisliche Diskrepanz ist groß. Teuer ist aber nicht immer besser.

Der erste Schritt sollte immer der Blick auf die Inhaltsstoffe und Zusammensetzung sein. Hier kannst du schnell erkennen, welcher Anbieter auf chemische Zusätze verzichtet und keine minderwertigen Nahrungsbausteine verarbeitet.

Wenn du auf den Preis achtest, solltest du dir darüber im Klaren sein, dass es einen großen Unterschied zwischen billig und günstig gibt. Die Gesundheit des Hundes sollte immer im Vordergrund stehen, sodass der Preis nicht das ausschlaggebende Kriterium bei deiner Wahl des Futters sein sollte.

Was braucht dein Hund? Das hängt auch vom Tagesablauf deines Hundes ab. Einige Rassen und sportlich aktive Hunde brauchen mehr Proteine als Hunde, die den ganzen Tag auf dem Sofa liegen. Auch das Alter und die Größe der Rasse haben einen Einfluss auf den Nährstoffbedarf. Was generell enthalten sein sollte, erklären wir dir in Das perfekte Hundefutter.

Rat einholen

Zeigt dein Hund Verhaltensprobleme oder Gemütsveränderungen? Manchmal lassen sich diese durch Erziehung oder die Änderung äußerer Umstände lösen. Falls nicht, kann es sinnvoll sein, einen Experten um Rat zu bitten und gemeinsam der Ursache auf den Grund zu gehen.

Beim Tierarzt können Blutwerte untersucht und Verdachtsmomente abgeklärt werden. Viele Tierärzte empfehlen bestimmte Futtermarken und Spezialfutter, jedoch gibt es immer mehrere Alternativen. Ebenfalls hinzuziehen kann man Hundetrainer oder Tierheilpraktiker, die genau auf das individuelle Tier eingehen können.

Ein Verzicht auf die oben genannten Eiweißlieferanten Mais, Weizen und Soja kann ein guter Anfang sein. Es gibt viele Futtersorten mit Reis, auf die du zurückgreifen kannst.

Alternative Selbstherstellung

Abwechslungsreiche Hundenahrung kannst du auch sicherstellen, indem du auf Fertigfutter verzichtest. Das bedeutet, dass du ein wenig mehr Zeit investierst, dich mit Alternativen auseinandersetzt und das Hundefutter selbst herstellst.

Dadurch kannst du sichergehen, nur hochwertige Lebensmittel zu füttern. Du hast die Zusammensetzung des Futters allzeit im Blick. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Mahlzeit für deinen Hund selbst zuzubereiten ist gar nicht schwer. Einen Einstieg in eine der Fütterungsmethoden erhältst du in Barfen für Anfänger.

Vor den Kosten brauchst du übrigens keine Angst haben. In der Regel ist die Selbstherstellung nicht teurer als eine Futtermarke aus dem mittleren bis höheren Preissegment. Natürlich kostet es ein wenig mehr Zeit, aber die bessere Gesundheit und die spürbare Verhaltensänderung deines Hundes entschädigt dafür mehr als genug!

Zum Thema Fehlernährung (und Fehltherapie) empfehlen wir zudem das Schwarzbuch Hunde von Jutta Ziegler. In ihm geht sie auf die oftmals abstrusen Futtermittel für jedes nur denkbare Hundeproblem ein. Absolut lesenswert!

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2 KOMMENTARE

  1. „Mais, Weizen und Soja sind beispielsweise gern verwendete Streckungsmittel im Fertigfutter. Sie führen aufgrund der hohen Konzentration der Aminosäure Tyrosin zu einer Senkung des Serotoninspiegels. Das Hormon Serotonin wiederum ist für den allgemeinen Gemütszustand deines Hundes verantwortlich. Vielleicht kennst du es als „Glückshormon“. Sein Fehlen wird mit Depression in Verbindung gebracht.“

    Meine Hündin bekommt schon ihr Leben lang Mais, Weizen und Soja und sie hat weder Depressionen noch die anderen Folgen eines „Serotoninmangels“. Ich denke, da wird am falschen Ende geschimpft, pflanzliche Bestandteile sind nicht schädlich für den Hund (außer er/sie ist allergisch) und lassen sich von Hunden je nach Darreichungsform auch gut verdauen.

    • Das Getreide ungesund bis schädlich ist, ist aus unserer Ernährung schon bekannt und ist für Hunde, Katzen und sogar Pferde ebenso ungesund bis schädlich. Allergien entstehen doch erst durch hohe Dosen Getreide und andere unnütze Zusatzstoffe und Zutaten im Futter. Warum werden denn immer mehr Menschen und Tiere krank?
      Ich füttere auch Trockenfutter aber ohne Getreide und auch kein Extr der ( höchstens eingeweicht bei den Katzen).
      Bar kommt für mich nicht in Frage, das geht meiner Meinung nach auch in die falsche Richtung und entwickelt sich zu einem Hipe. Trockenfutter ja, aber bitte auch gut überlegen welches. Ich kenne genug Hunde, die mit Chappi, Frolic und co gut zurecht kommen. Meine Rüde wäre an Frolic fast gestorben obwohl er das nur als Leckerchen bekommen hat. So verschieden wie wir sind nun mal auch unsere 4-Beiner. Mir kommt kein Getreide-Schrott in den Napf aber ebenso auch kein Barf. Ich denke der Mittelweg ist doch meistens der Beste. Und wer schon 40 euro pro Sack bezahlt kann dann doch zumindest erwarten das kein Schrott im Futter ist bzw Futter kaufen, das zumindest etwas gesünder für das Tier ist. Es reicht doch wohl, dass wir uns Tag für Tag mit unseren Lebensmitteln „vergiften“.
      Also jeder Mensch ist individuell, jedes Tier ist individuell und schwarz oder weiß ist bei Individuen fehl am Platz. Man darf auch ruhig mal über den Tellerrand schauen 😉

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