Kumpel für Knastis: Der Hund als Bewährungshelfer

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Der Hund als Bewährungshelfer - die therapeutische Wirkung ist bewiesen.

Kuscheliges, weiches Fell, treue Augen und ein überaus freundliches Wesen. Nicht nur Hundebesitzer haben die Erfahrung gemacht, dass die sympathischen Vierbeiner für gute Laune und psychisches Wohlbefinden sorgen.

Hunde können eine therapeutische Wirkung haben. Das ist schon lange bekannt und deshalb finden wir immer wieder neue Einsatzmöglichkeiten für Hunde. Nach der Arbeit als Sozialhelfer (z. B. als Besuchshund im Seniorenheim) stehen Hunde nun zunehmend auch Bewährungshelfern zur Seite.

 

Laut einer Studie der Universität Bonn helfen Hunde bei der Prävention diverser Krankheiten. Bei Neurosen, Psychosen oder psychosomatischen Erkrankungen wirken sie beruhigend auf den Menschen oder sind eine angenehme Ablenkung. Manchmal kann der Patient nach langer Zeit zum ersten Mal wieder richtig lachen. Unterstützt er einen Bewährungshelfer, sorgt ein Hund hingegen für Vertrauen und Verantwortung.

Hunde wecken Vertrauen und besänftigen

Ein Hund kann auf verschiedene Arten als Bewährungshelfer eingesetzt werden. Eine Möglichkeit ist, dass die Straftäter sich um den Hund kümmern. Auf diese Art übernehmen sie Verantwortung für den Hund.

In größeren Stil praktiziert das australische John-Morony-Gefängnis die Arbeit mit Tieren. Die Gefangenen kümmern sich nicht speziell um Hunde. Sie heilen und impfen wilde Tiere, die sie anschließend wieder in die Freiheit entlassen. Nur sehr wenige Gefängnisinsassen werden später rückfällig.

Auch in Deutschland berichten Bewährungshelfer von positiven Erfahrungen, wenn ein Hund sie bei ihrer alltäglichen Arbeit begleitet. Dabei ist es nicht einmal wichtig, ob ein (ehemaliger) Sträfling sich selbst und allein um den Hund kümmert. Es reicht oftmals, wenn der Hund in (kritischen) Situationen anwesend ist. Das Prinzip ist immer gleich: Hunde wirken besänftigend auf Menschen. Sie verhindern die Entstehung von Aggressionen. Zudem haben Hunde keine Vorurteile. Sie gehen daher auch mit Gewalttätern um wie mit jedem anderen Menschen. Manche Häftlinge berichten, dass sie die Gegenwart der angstfreien Tiere sehr genossen haben.
Durch Hunde fassen Sträflinge wieder Vertrauen zu anderen Lebewesen. Zusammen mit der Verantwortung, die sie durch die Hunde-Pflege übernehmen, fällt ihnen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft deutlich leichter.

 

Was muss ein Hund als Bewährungshelfer können?

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Wenn dein Hund als Bewährungshelfer aktiv sein soll, darf er keinesfalls aggressiv sein. Er muss natürlich äußerst gut erzogen sein und gehorchen. Die Reizschwelle deines Hundes sollte relativ hoch sein und Stress jeglicher Art sollte ihm nicht viel ausmachen.

Ein Ausschlusskriterium ist eine vorhergehende Schulung in der Verteidigung. Wenn ein Sträfling deinen Hund plötzlich anfasst, muss er ruhig bleiben – auch wenn es nicht ganz sanft war. Ein Knurren oder gar eine stärkere Aggression würde den positiven Effekt ruinieren.
Welcher Rasse dein Hund angehört, spielt hingegen keine große Rolle. Nur als aggressiv geltende Kampfhunde sind nicht geeignet. Nicht, weil der Hund an sich ein Problem dasteht – sondern weil der Sträfling mit den verbreiteten Vorurteilen auf den Hund blicken könnte. Unsicherheit ist in dieser Situation gerade unerwünscht. Wichtig ist, dass das Tier zutraulich ist. Es sollte von sich aus gern auf Menschen zugehen und seine Streicheleinheiten einfordern.

Selbst Häftlinge, die bereits eine lange kriminelle Vergangenheit hinter sich haben, fühlen sich in der Gegenwart von Hunden schnell wieder angenommen und geliebt. Dies erhöht direkt ihre Motivation, dieses schöne Gefühl aufrechtzuerhalten. Als Konsequenz verhalten sie sich selbst so, dass auch andere Menschen ihnen positiv begegnen.

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2 KOMMENTARE

  1. Hallo ihr Lieben,
    ganz so einfach, wie oben beschrieben ist es natürlich nicht. Ja, unsere Hunde sind als Begleiter heiß begehrt und können sehr erfolgreich sein. Ich arbeite mit meinen Hunden im Knast in Einzelsitzungen, was meistens mich sehr mehr fordert, als die Hunde. Allerdings bin ich immer wieder überrascht wie toll meine Hunde sich auf die einzelnen Menschen einstellen…Habt ihr eine Quelle für mich zu euren Infos. Ich bin dringend an mehr Input interessiert. Zumal unser Projekt vom Ministerium gefördert wird, wir aber natürlich immer wieder eine gute fachliche Untermauerung gebrauchen können. Lieben Dank.
    Übrigens die Arbeit unseres Vereins passt 100 Prozent zu eurer Weltanschauung, ihr dürft uns gern empfehlen, neben unserer Ehrenamtlichen Arbeit bieten wir diverse Aktivitäten für Hundehalter an.
    Ganz liebe Grüße
    Claudia Weigel

    • Hallo Claudia,
      vielen lieben Dank für deine Frage. :)
      Der Text bezieht sich hauptsächlich auf unterschiedliche Studien. Hier einmal ein Link, wo du sicherlich ein paar Infos zu diesem interessanten Thema findest: https://nic.zendesk.com/entries/21309064-Do-Canine-Programs-in-Prison-Have-Any-Positive-Impact-
      Deine Arbeit hört sich auch super interessant an! Vielleicht kennst du schon unseren Bereich „Berufe mit Hunden“. Dort stellen wir (u.a.) Berufe vor, in denen es um die Arbeit mit Hunden, sowie um die Arbeit für Hunde geht. Hättest du nicht vielleicht Lust, uns in einem Interview etwas mehr über deine Arbeit zu erzählen?
      Also wie du deine Hunde ausbildest und wie die Arbeit speziell im Gefängnis aussieht.

      Wir würden uns sehr freuen, dich, deine Vierbeiner und deine Arbeit etwas näher kennenzulernen! :)

      Viele Grüße und hoffentlich bis bald,
      Birthe vom hudoba-Team.

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