Die Hunde von Sotschi – ein dunkles Kapitel

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Straßenhunde - in Sotschi wurden sie gejagt

Tausende Hunde dürfen die Olympia-Region Sotschi nicht stören. Aus diesem Grund hat die Regierung die Liquidierung der Hunde angeordnet. Boykott-Aufrufe und Proteste blieben ohne Erfolg. Die Hunde-Morde in Sotschi sind zu einem dunklen Kapitel der Olympischen Winterspiele 2014 geworden.

Die Morde für die Olympischen Spiele

Die Baustelle von Sotschi war jahrelang die Heimat von Tausenden streunenden Hunden. Die Gastarbeiter haben das Dorf aufgebaut. Heute sind sie wieder in ihren eigenen Ländern. Die Hunde sind noch immer da. Doch das sollte sich ändern: Die Hunde sollten das Bild der Spiele nicht stören. Daher stellte die russische Regierung Hundefänger ein. Sie sollten die Vierbeiner rund um Sotschi und das Olympia-Dorf entfernen.

Das klingt zunächst harmlos. Aber die russischen Tierheime sind chronisch überfüllt, die Hundesituation im ganzen Land ist prekär. Auch in Sotschi haben die Hunde“fänger“

die Hunde mit ausgelegten Giftködern vergiftet. Selbst der Einsatz von Schusswaffen wurde erlaubt. Die Region Sotschi wurde für die Olympischen Spiele 2014 effektiv „tierfrei“ gemacht.

Die Argumente der Regierung sind schwer nachvollziehbar. Immer wieder betonte sie, dass man „sauber für Olympia“ sein wolle. Einzelne Politiker sprachen auch von einer „Verpflichtung gegenüber der internationalen Gemeinschaft“. Soweit ist das nicht verwerflich. Aber wie dies erreicht werden sollte, führt nicht nur unter Tierliebhabern zu Protesten. Denn beim Säubern agierten die Verantwortlichen unsauber, unethisch. Die Beseitigung der Vierbeiner würde gegen jedes Tierschutzgesetz verstoßen. Ein Tierschutzgesetz gibt es in Russland jedoch nicht. Allen Presseberichten zufolge sind Hunde und andere Tiere regelrecht abgeschlachtet worden. Zu den Spielen war die Gegend um Sotschi fast frei von streunenden Vierbeinern.

Ist die Bevölkerung für diese Methoden? In der Gesamtheit sicher nicht. Die Hundefänger (oder eher: Hunde-Mörder) waren stets in der Nacht tätig. Heimlich, im Verborgenen. Immerhin würden auch sie das schöne Bild stören. So waren sie „unsichtbar“ und die Sammlung von Beweisen war schwer.

Kopfgeld für Streuner

Auch Kopfgeld gab es für die streunenden Hunde. Die Regierung hat auch die Bevölkerung aufgefordert, gegen die Streuner vorzugehen. Sie sieht sich in keiner moralischen Pflicht. Wichtig ist der Erfolg: Die Gegend rund um Sotschi soll frei sein von den Tieren. Auch Proteste von Tierschützern oder Politikern sowie Stars änderten nichts an den Tier-Morden. Einige Berühmtheiten, darunter die Musikerin und Schauspielerin Cher, haben sich der Problematik angenommen. Einige Tiere wurden gerettet – der Großteil blieb zurück.

 

„Lösung“ viel zu spät

Russische Tieraktivisten betonen, dass das Problem weder neu noch unbekannt sei. Vor Jahren hätte man es lösen müssen. Aber Versprechungen der Regierung würden nicht eingehalten. Der Bau eines einzigen Tierheims in Sotschi hilft kaum. Die Kosten einer Sterilisierung für Hunde sind für viele Russen zu hoch – die Probleme sind offensichtlich. Die einzig sinnvolle Aktion ist eine Massensterilisierung von Hunden, meinen die Tierschützer. Das brächte keinen sofortigen Effekt, aber einen nachhaltigen. Und es ist ethisch tragbar.

 

Hunde-Jagd nicht nur in Sotschi

Sotschi ist nicht die einzige Stadt, in welcher streunende Tiere vor sportlichen Großereignissen für Schlagzeilen sorgten. Schon bei der Europameisterschaft 2012 in Polen und Rumänien wurden die Streuner auf den Straßen liquidiert. Die Proteste blieben ebenfalls erfolglos. Die sportliche Großveranstaltung steht an erster Stelle und lässt das Tierleid in den Hintergrund rücken.

 

Während der Spiele: Ruhe… und Hunde

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Und während der Spiele? Wird zwischen Biathleten und Zuschauern noch immer auf Hunde geschossen? Nein. Entspannt, schläfrig trotten Terrier nun auf dem Gehweg von Krasnaja Poljana, wie die Berliner Zeitung berichtet. Ihnen ist die Hektik egal. Von der großen Jagd zuvor wissen sie nichts. Mehr als 2000 herrenlose Hunde soll es nun immer noch geben. Es gab viele Berichte – manche übertrieben. Dazu zählen auch Darstellungen, nach denen ein regelrechter Genozid an allen Hunden verübt sein sollte. Es streunen noch immer Hunde über die Straßen von Sotschi, friedlich. Das Problem der Hunde in Russland ist nicht gelöst. Aber das Bild von Sotschi verschandeln sie ganz und gar nicht. Der Freestyle-Skifahrer Gus Kenworth ist sicher vom Gegenteil überzeugt: Er will eine ganze Streunerfamilie zu sich nach Colorado nehmen. Zusammen mit dem russischen Milliardär Oleg Deripaska begann er eine Initiative für neue Hundeheime. (Mehr…) Das ist doch ein versöhnlicher Lichtblick in diesem nach wie vor dunklen Kapitel.

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